Dharmapala Thangka CentreTibetan Antiques


Tibetische Zampar Formen

Tsampar

Alte hölzerne Zanpar Formen auch 'Tsampar' oder 'Tsänpa' genannt

Klöster im alten Tibet verfügten zumeist über zahlreiche dieser hölzernen geschnitzten Tsanpar Formen, die verwendet wurden, um Menschen in der Nähe zu helfen, die krank oder in besonderen Notlagen waren. Dazu gehörten sowohl physische als auch psychische Probleme.

Dabei wurde "Tsampa" [Gerstenmehl und Yakbutterteig] in die entsprechenden Bilder der Zanpar Form gepresst, um rituelle Opfergaben für Glück und Schutz vor böswilligen Geistern und vor Krankeiten herzustellen.

Da es keine schriftlichen Aufzeichnungen über Inhalt und Bedeutung dieser bisher kaum erforschten Stäbe gab ist heute das Wissen darüber nur sehr gering.

Vorbemerkungen

Die Schreibweise diese sehr speziellen tibetischen Objekte variiert stark. Neben der am häufigsten anzutreffenden Form 'Zanpar' finden sich weitere wie 'Zangpar', 'Zenpar' oder auch 'zan-spar' und weitere.

Diese Objekte sind bisher in der Tibet Forschung sehr vernachlässigt worden. Es finden sich nur wenige Publikationen, die teilweise diese Formen nur am Rande erwähnen.

Die nähere Erforschung der Hintergründe, der Bedeutung und die Verwendung von Zanpars wird außerordentlich dadurch erschwert, dass in der Vergangenheit in Tibet kein religiöses Oberhaupt es für nötig erachtete, eine Klassifizierung der Zanpars Verwendung in der klösterlichen Praxis vorzunehmen. Man beschränkte sich auf mündliche Überlieferungen, was nach dem Aderlass der tibetischen Kultur nach der Besetzung des Landes durch die Chinesen im letzten Jahrhundert zu der heutigen Unbestimmtheit dieser Thematik geführt hat.


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Herkunft

Häufig wird der Ursprung der Tsampas der vorbuddhistischen Bon-Religion zugeschrieben. Es gibt aber auch andere Interpretationen bei denen eine Herkunft im Iran oder in Indien vermutet wird. Sogar griechische, jüdische, christliche und phönizische Quellen werden angeführt. Es ist deshalb unmöglich, diese Frage abschließend zu klären.


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Zanpar - Tsampa - Torma

Diese drei tibetischen Begriffe stehen in einem Zusammenhang. Die Zanpars sind Holzmodel mit denen aus Tsampar Teig Abdrücke gewonnen werden

Abbildungen 2 - 4

Tormas sind Opfergaben auf tibetisch buddhistischen Altären, die zumeist aus Butter, bisweilen aber auch aus Tsampa geformt und mit Zanpar Abdrücken verziert werden.

Die Tsampa-Mischung, mit welcher die Abdrücke von Zanpars hergestellt werden, besteht hauptsächlich aus geröstetem Gerstenmehl, Wasser, Butter und Milch. Auch Weizenmehl kann verwendet werden. In manchen Texten wird auf eine Mischung aus 4 Getreidesorten hingewiesen. Es scheint, als ob der Getreidesorte keine besondere Wichtigkeit beigemessen würde, sie ändert sich je nach lokalem landwirtschaftlichem Kontext. Alle zusätzlichen Beigaben wie Nägel, Haare, Teile von Kleidungsstücken usw. verstärken den positiven Effekt der Zanpar Rituale. Spuren von Mehrfarbigkeit bei einigen Motiven deuten darauf hin, dass in manchen Fällen Farbpulver verwendet worden sein könnten.


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Funktionen der Zanpars

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Zanpars eine dreifache Funktion im alten Tibet besaßen. Im Allgemeinen werden stets die medizinischen Aspekte des Gebrauchs genannt.

Darüber hinaus gab es aber auch eine nicht weniger wichtige Aufgabe, die man als eine Art Sündenbock- oder Stellvertreterfunktion bezeichnen kann.

Schließlich werden auch mit Hilfe von Zanpars Opferkuchen aus Tsampa Brei hergestellt.


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Zanpars in der tibetischen Medizin

Krankheiten sind in der tibetischen Medizin auf ein Ungleichgewicht der drei Körpersäfte Wind, Galle und Schleim zurückzuführen. Ursachen für diese Störungen sind in dieser Medizinlehre häufig auf negative Einflüsse von Geistern und Dämonen zurückzuführen.

In der traditionellen tibetischen Medizin spielen Zanpar Rituale eine eher untergeordnete Rolle. Der Schwerpunkt dieser im 8. Jahrhundert auf Basis indischer und chinesischer Grundlagen entstandenen Medizinlehre lag auf den verschiedenen Diagnoseformen in Verbindung mit einer sehr umfangreichen Kräutermedizin. Im Standardwerk der tibetischen Medizin dem "Blue Beryll" sucht man demzufolge auch vergebens nach einer Erwähnung der Zanpar Rituale.

Dennoch verfügten im alten Tibet die Klöster über zahlreiche dieser hölzernen Formen. Sie wurden im medizinischen Bereich verwendet, um Menschen zu helfen, die krank oder in besonderen Notlagen waren. Die magische Beeinflussung von Gesundheit, Problemzuständen u.ä. haben wenig mit dem tibetischen Buddhismus, sondern eher mit in der Volksreligion verbreiteten ungeordneten Kräften wie Dämonen und Geistern zu tun.

Wurde das Kloster gebeten zu helfen, suchten dafür ausgebildete Mönche dazu aus ihrem Bestand an Zanpar-Formen die jeweils geeigneten aus und gingen in die Häuser der Gläubigen. Sie wählten die zur Beseitigung der Krankheit oder Notlage passenden Symbole der Holzform aus und pressten sie in eine Kugel Tsampa [Teig aus Butter, Salz und Gerstenmehl und Wasser].

Das Tsampa-Stück mit Abdrücken von geschnitzten Motiven wurde dann als Medizin verabreicht oder auch bisweilen auf dem Hausaltar der Familie deponiert, um die aufgetretenen Beschwerden zu heilen oder zumindest zu lindern. Es handelte sich dabei nicht nur um physische Beschwerden, auch bei psychischen Problemen wurden Zanpars eingesetzt.

Dieser Glaube findet auch seinen Niederschlag in einem früher in Tibet alljährlich aufgeführten Ritus, bei dem gegen Bezahlung zwei Bettlern die gesamten Sünden aller Dorfbewohner des vergangenen Jahres symbolisch übertragen wurden. Die Männer wurden mit Ziegenfellen bekleidet. Ihre Gesichter waren zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß bemalt und wurden dann mit viel Geschrei aus dem Dorf gejagt, wodurch sie alle negativen Elemente der Bevölkerung mitnahmen. Im nächsten Jahr wiederholte sich das Ritual erneut.


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Stellvertreterfunktionen

Die Stellvertreterfunktion steht in einem engen Zusammenhang mit dem o.g. Einsatz von Zanpars als Medizin. Kleine Teigstücke aus Tsampa in denen die Muster der Zanpar-Hölzer gepresst wurden hatten als zweite Verwendung auch eine Art Sündenbock- oder Stellvertreterfunktion. Dabei kommt ein charakteristisches Merkmal des Volksglaubens zum Tragen: Die Übertragbarkeit von Eigenschaften eines Menschen auf Abbilder, die dann dieselben Eigenschaften wie der abgebildete Mensch auf. Sie übernahmen die Schuld der Tibeter, um die bösen Geister zu besänftigen oder ganz davon abzuhalten, in die Häuser einzudringen und Unheil anzurichten.

Nach tibetisch-buddhistischer Auffassung gibt es noch 360 Katastrophen, wie zum Beispiel der Sturz von einer Leiter, einem Pferd, einem Felsen, Verbrennungen, Todesfälle durch Ertrinken usw., für die nicht Dämonen, sondern das Karma aus vorausgegangenen Existenzen des Betroffenen verantwortlich gemacht werden.

Abbildungen 2 - 4

Nach der Untersuchung des Patienten stellten die traditionellen tibetischen Ärzte [Emchis] häufig zwei Rezepte aus: Eines für die Medikamente und das zweite, mit dem Namen des für die Krankheit verantwortlichen Dämonen, für die Mönche. Beim darauf folgenden Ritual kamen Zanpars zum Einsatz, um den Dämonen auszutreiben.

Im Falle einer Krankheit erstellte ein Mönch mit Hilfe einer ausgewählten Holzform, aus Lehm oder einem Brotteig ein menschliches oder auch tierisches Abbild. Dann zwingt der Lama den Dämon, den erkrankten Menschen, zu verlassen und stattdessen von der Figur Besitz zu ergreifen, die er gerade geschaffen hat. Zu diesem Zweck zeichnet er magische Kreise und spricht eine Zeit lang Beschwörungsformeln. Nachdem der Geist mit diesen Mitteln eingefangen wurde, verliest der Lama Passagen aus bestimmten Büchern und übergibt dem Patienten das geformte Abbild, um es zu verbrennen oder zu vergraben.


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Opfer

Die Frage, ob Zanpars als Werkzeuge in Opferritualen verwendet wurden, ist nicht eindeutig geklärt. In der Mehrzahl der [wenigen] Veröffentlichungen wird davon ausgegangen. Es gibt aber auch Abhandlungen, in denen diese Frage eindeutig verneint wird.

Auf den Formen sind häufig Lha- [Dämonen] und Tsan-Figuren [Könige] sowie Tiere und buddhistische Symbole zu sehen. Die Abdrücke von dieser Formen sollen beim LhaBsans-Ritual benutzt worden sein, bei dem auf den Bergen Opfergaben zu Ehren der Gottheiten verbrannt wurden.

Solche Opfer werden dargebracht, um die Probleme einzelner Personen bzw. ganzer Gemeinschaften zu lösen oder auch nur, um die Götter und Dämonen zu besänftigen.

Vor mehr als eintausend Jahren wurden bisweilen in Tibet noch Menschenopfer praktiziert. Dieser Brauch stand in einem eklatanten Widerspruch zu den buddhistischen Lehren und wurde mit ihrer Ausbreitung definitiv abgeschafft.


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Formen

Holz war in Zentral Tibet früher ein kostbares Material, das aus holzreicheren Gebieten wie Ost-Tibet, Nepal oder Bhutan importiert werden musste.

Abbildung 6
Es wurde im Kloster- und Häuserbau verwendet. Seltener für buddhistische Kultfiguren. Kleinere Äste waren für diese Baumaßnahmen ungeeignet. Für die Herstellung der Zanpar Formen waren diese anderweitig sonst nicht verwertbaren Reste jedoch ideal.

Die nächste Abbildung zeigt ein außergewöhnliches Zanpar mit einer im Holz abgesenkten Art Stufe. Der tiefer gelegene Teil diente dazu, eine größere Menge Tsampa Teig abzulegen, von dem dann ein Teil für die Tsampa Kugel genommen wurde, in dem das passende Motiv des Zanpars abgedruckt wurde.

Abbildung 6

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Abbildungen

Zanpar Formen zeigen eine große Vielfalt von Abbildungen:

*] Die Trigramme findet man u.a. in der Astronomie, in der in der Geographie und Astrologie. Sie sind als universales Orientierungsmodell zu verstehen, das auch Elemente enthält, die auf die Lebensgestaltung des Menschen Einfluss nehmen. Aufgrund von Orientierungsprinzipien und der für die Lebensgestaltung bestimmenden Elemente ist jedem Menschen eine bewusstere Selbstbestimmung möglich. Die Himmelsrichtungen stehen z. B. auch für innere Orientierung, die Organe für bestimmte psychische Verfassungen [Stimmungen, Persönlichkeitsstrukturen]. So entspricht den physischen Qualitäten immer auch eine innere [psychische] Qualität.

Weitere Abbildungen

Zu den kosmologischen Symbolen auf Zanpars gehören:

Es wird angenommen, dass die Darstellung von Lamas gemeinsam mit der Abbildung von heiligen Stätten dazu diente, diese religiösen Orte zu schützen.

In einer anderen Reihe an Motiven wird das Thema der Astronomie durch sieben Planeten repräsentiert. Dieselben Symbole können auch für die sieben Tage der Woche stehen:

In manchen Fällen werden bis zu neun Planeten abgebildet.

Die folgenden Abbildungen zeigen einige Beispiele:

Abbildung 7
Stupas / Tchörten
Abbildung 8
Glückssymbole [Rad der Lehre, Muschel, Rundbanner, unendlicher Knoten]
Abbildung 9
Fische, Amphibien
Abbildung 10></div>
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Krieger
Abbildung 11></div><div align=
Trigramme und tierköpfige menschliche Gestalten
Abbildung 8
Ohrringe der Königin [eckig], die Ohrringe des Königs [rund]
Abbildung 9
Dämonen und Geister des Bardo
Abbildung 10

Die Vielzahl der Darstellungen ist durch die Vielzahl der Riten bestimmt, in denen die Zanpars verwendet werden.

Die zahlreichen Tierdarstellungen sind vermutlich als Ausdruck spezifischer Kräfte zu interpretieren. Einige Experten gehen aber auch davon aus, dass sie für die Heilung erkrankter Haustiere [analog der Stellvertreterprozeduren bei der Erkrankung von Menschen] eingesetzt wurden.

Die Gesamtheit aller in die Tafeln geritzten Figuren und deren Funktion könnten nur durch aufmerksames Lesen des Rituals und zusätzliche mündliche Erklärungen verstanden werden, die - wie oben bereits erwähnt - heute kaum zur Verfügung stehen. Es bleibt deshalb in vielen Fällen nur übrig, Vermutungen über Bedeutung und Verwendung anzustellen.

Die menschlichen Gestalten mit Tierköpfen kommen in großer Zahl im Bardo Thödröl, auch Bardo Thödol [Tibetisches Totenbuch] vor. Das Bardo Thödol ist eine buddhistische Schrift aus dem 8. Jahrhundert, die im 14. Jahrhundert in einer Höhle entdeckt wurde und auf den Begründer des tibetischen Buddhismus, Padmasambhava, zurückgeht.

Hier findet man auch furchteinflößende Dämonen und Geister, die dem Verstorbenen im Zwischenzustand nach dem Tod und vor der Wiedergeburt begegnen. Vermutlich werden Zanpar-Abdrücke dieser Bardo-Darstelllungen während der 48 Tage dauernden Totenrituale angefertigt, um den Verstorbenen die Passage durch diesen Zwischenzustand zu erleichtern. Sie dienen dabei als Führer durch die Zeit der Bardo-Existenz zwischen Tod und Wiedergeburt. Darüber hinaus ist das Bardo-Thödröl eine Anweisung, wie der Verstorbene mit Hilfe vorgelesener Texte das Licht der Erlösung erkennen und den Kreislauf der Wiedergeburten verlassen kann.

Bei Betrachtung dieser Horden an unterschiedlichen Dämonen kann man sich ein Bild davon machen, welch schreckliche Visionen die Seele des Verstorbenen im Jenseits ertragen muss. In diesem Zwischenzustand zwischen Tod und Wiedergeburt sieht sich der Geist des Verstorbenen mit höllischen Visionen konfrontiert, die ihn in Angst und Schrecken versetzen und vom Weg abbringen, weshalb man zuvor das Bardo Thödol gelesen haben sollte, um zu wissen, wie man diesen Visionen gegenübertreten soll.


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Torma/Tsanpar/Zampar

Die Formen aus Tsampa-Brei und Wasser werden Torma genannt. Neben den Tsampa-Torma gibt es auch Butter-Torma, die als Opfergaben auf den buddhistischen Altären zu finden sind. Bisweilen werden sie zusätzlich durch Abdrücke aus Zanpar-Formen verziert. Sie dienen als Opfergaben oder repräsentieren Schutzgottheiten.

Die Torma wurde nicht immer von einem Lama hergestellt, sondern vom Kranken oder einem Familienmitglied des Kranken. Danach wurde die Torma gemeinsam mit Speisopfern, Resten von Fingernägeln, ein paar Haaren und einigen Teilen von Kleidungsstücken des Betroffenen auf einen Teller gelegt.

Eine Zeremonie dauerte zwischen einer und zwei Stunden und fand meistens am Abend statt, da es nach Sonnenuntergang wahrscheinlicher war, dass die Dämonen erschienen. Die dabei gesungenen Mantras stammten auch aus einem Buch der Astrologie. Verwendet wurden in dem Ritual ein Phurba, ein Vajra / Dorje und eine Damaru [Doppeltrommel]. Phurbas [Dämonennagel] und Vajras [Diamantzepter] wurden benutzt, um die Dämonen zu töten, welche auf der Torma abgebildet sind. Die unterschiedlichen Figuren auf den Zanpars entsprachen den visuellen Formen, welche die Dämonen oder Gespenster in den Träumen oder in der Realität, wenn sie sich den Menschen zeigten, annahmen. Am Ende des Rituals wurde die Torma in die Mitte einer Wegkreuzung geworfen. Die Dämonen kamen aus allen Richtungen. Wurde die Torma an einer Kreuzung fallengelassen, war sichergestellt, dass die Dämonen nach allen Seiten ausgetrieben wurden.


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Rituale

Diese wenigen Hinweise geben einen Überblick von der Komplexität der Rituale welche nötig waren, um die verschiedenen Probleme der Menschen zu lösen: Krankheiten, Schicksale, Flüche. Während eines Tages gab es zahlreiche Situationen in denen eine genaue Beachtung der Regeln und Erfüllung der Pflichten nicht möglich war und die Huldigung bzw. Verehrung der Dämonen, die ihnen zusteht, nicht ordnungsgemäß ausgeführt wurden konnte. Diese verlangten dann eine Wiedergutmachung für die begangenen Fehler. Deshalb war es nötig, über ein großes Sortiment an Zanpars zu verfügen. Denn man durfte auch nicht vergessen, dass sich neben den Dämonen auch noch Götter und andere Wesen bemerkbar machen konnten, wenn die Menschen ihnen nicht den gebührenden Respekt zollten, auf welchen sie Anspruch hatten.

Auch wenn gerade kein Konflikt mit den jeweiligen Wesen bestand, konnte es nur vorteilhaft sein, ihre Gunst zu erlangen.

In Fällen von schwerer Krankheit, rief man den Medizin-Lama. Er versuchte durch Wahrsagen herauszufinden, welcher Dämon für die Krankheit verantwortlich war und in welcher Form - in Form eines Tieres oder sonstigen Objekts - der Dämon ins Haus gelangte und dort verbleiben konnte. Nachdem der Dämon identifiziert wurde, machte der Lama einen Abdruck dieses Dämons mit seinem Zanpar und zwang ihn dann, mit Hilfe von magischen Ritualen, Beschwörungsformeln, Kreisen usw. von seiner Figur Besitz zu ergreifen. Infolgedessen wurde der Dämon durch Beschwörungsformeln, Gebete oder Zaubersprüche ausgetrieben und die Figur wurde zerschlagen oder verbrannt.

Solange die Krankheit andauerte, wurden im gesamten Haus vergleichbare Darstellungen angebracht, die nach der Gesundung des Patienten zerstört wurden.

Glücklicherweise existierten auch Gottheiten, die den Menschen Gutes wollen [Gottheiten, die vor den Feinden schützen].

Sie zeichneten sich durch ihre Schönheit und würdevolle Art aus, ritten weiße Pferde in goldener Rüstung, trugen Köcher aus Tigerfell, Bogentaschen aus Leopardenfell oder eine Peitsche. Über ihren Köpfen kreiste ein metallener Falke und ein Schneelöwe, ein Tiger, ein Hund sowie ein Yeti waren Teil ihres Gefolges.


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Material

Im Allgemeinen wurden für die Zanpars Holzarten mit sehr feiner Maserung benutzt, denn nur darin konnten Schnitzereien mit der nötigen Feinheit angefertigt werden welche eine Identifizierung der abgebildeten Motive ermöglicht.

Verwendung fanden unter anderem Wildkirsch-, Hasel- und Walnussholz. Da diese Praktiken allerdings sehr weit verbreitet waren, konnten auch andere Hölzer zum Einsatz kommen. Das Holz einiger Zanpars hat eine ziemlich rote Farbe, wodurch man sofort an das Holz des Shorea robusta denkt, welches in Nepal häufig für sehr feine Schnitzereien verwendet wird.

Außerdem wird in Bezug auf die Herstellung von Zanpars von Birkenholz gesprochen. Die Textur des Holzes der westlichen Birke scheint sich geringfügig von den Birken zu unterscheiden, welche in größerer Höhe und in einem raueren Klima wachsen. Da letztere sich langsamer entwickeln, entsteht eine feinere Maserung und das Holz eignet sich somit besser für Schnitzereien.

Durch die Gebrauchsspuren sowie die Patina ist die Oberfläche oft auch in sehr schlechtem Zustand, wodurch eine ernsthafte Bestimmung der Holzart unmöglich wird. Um eine glaubwürdige Untersuchung durchzuführen, müsste ein Querschnitt des Holzes untersucht werden, was aber einer Zerstörung der Objekte gleichkäme.

Das Holz wird nicht geweiht, weder vor noch nach dem Schnitzen.


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Hersteller

In vielen Fällen waren es die Mönche selbst, welche die Tafeln für den Druck der heiligen Schriften schnitzten und mit Hilfe der Holzschnitttechnik die Zanpars fertigten. Für die Vervielfältigung war seine sehr genaue Arbeit nötig, welche sich in der Feinheit der dargestellten Motive widerspiegelt. Neben Bildern wurden auch regelmäßig Buchstaben eingraviert. Nur die Lamas besaßen das Wissen, welches zur Herstellung dieser Objekte nötig war.

Die Darstellungen auf den Zanpars wurden aber auch von Tischlern mit Laienstatus geschnitzt. Die Verteilung der Aufgaben ist nicht ganz klar. Es ist zu bezweifeln, dass Laien die oft sehr detailreichen Darstellungen alleine schnitzen konnten. Häufig waren sie Analphabeten und deshalb nicht in der Lage, die komplizierten tibetischen Buchstaben selbständig zu schnitzen. Vermutlich haben die Tischler unter Aufsicht der Lamas gearbeitet.

Dennoch lassen sich heute manche Tsampar-Inschriften nicht entziffern und übersetzen. Die Tatsache der fehlenden Schriftkenntnisse der Laien könnte erklären warum. Eine andere Möglichkeit ist, dass diese Texte in einem Dialekt oder einer lokalen tibetischen Sprachvariante verfasst wurden welcher bzw. welche für westliche Experten heute nicht mehr zu übersetzen sind.

In einigen Fällen sind Unterschiede in der Ausführung zu erkennen, dennoch bleibt häufig offen, ob die Buchstaben Laien oder von Lamas geschnitzt wurden.


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