Dharmapala Thangka CentreTibetische Antiquitäten


Geschichte tibetischer Antiquitäten

Kunst und Antiquitätensammler wurden erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf tibetische Antiquitäten aufmerksam. Bis dahin hatte die jahrhundertelange Abschottung Tibets auch dafür gesorgt, dass diese Objekte nur wenigen Experten aus dem Westen wie z.B. dem Österreicher Heinrich Harrer und dem italienschen Tibetologen Guiseppe Tucci bekannt waren.

Die chinesische Besetzung des Schneelandes in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und die Flucht des Dalai Lamas 1959 nach Indien führte zu einem Strom von hunderttausenden tibetischen Flüchtlingen vorrangig nach Indien und Nepal.

Soweit es ihnen möglich war nahmen die Flüchtlinge häufig religiöse Objekte ihres Hausstandes oder Kloster mit in ihr Exil. Zunächst dachte sicherlich niemand von ihnen daran, diese Artefakte zu veräußern. Es ging ihnen vorrangig darum, diesen Besitz als Zeichen ihres früheren persönlichen buddhistischen Lebens nicht aufzugeben.

Vermutlich realisierten es die chinesischen Invasoren, dass in ihren besetzten Gebieten kostbare Schätze vorhanden waren. Nicht umsonst bedeutete das chinesische Wort für Zentraltibet «Xizang«» übersetzt «Westliches Schatzhaus«».

Tibeter hatten diese sakralen Gegenstände zu diesern Zeit niemals als materiell wertvoll angesehen. Für sie waren sie einfach nur integraler Bestandteil ihrer buddhistischen Kultur. Niemals wären sie auf die Idee gekommen, sie zu verkaufen.

Chinesische Plünderungen von Klöstern und Privathäusern führten zu einer reichen Beute. Soweit diese aus Gold, Silber und Edelsteinen bestanden wurden die Objekte meistens zerstört und verwertet.

Thangkas wurden von den Chinesen kaum als Wertobjekt angesehen und wurden als Symbol des 'Alten Tibets' zerstört oder bestenfalls weniger beachtet. Das Gleiche galt für Gegenstände des täglichen Gebrauchs.

Der US amerikanische Kunstsammler John Gilmore Ford war einer der ersten, der sich mit tibetischer Sakralkunst beschäftigte. Ford erinnerte sich daran, dass er während seiner ersten Indien Reise 1963 in Neu-Delhi eine Galerie mit indischen Antiquitäten besuchte, die voll mit hinduistischen und mogulischen Miniaturen und dekorativer Kunst war. Er fragte den Besitzer, ob er irgendwelche tibetischen Materialien hätte, und dieser verwies ihn in einen Lagerraum im Obergeschoss, wo mehr als hundert antike Thangkas in Stapeln auf dem Boden lagen.

Ford sagt: «Ich wählte die zehn in meinen Augen schönsten aus, brachte sie dem Besitzer herunter und zahlte etwa 1200 Dollar für alle Rollbilder zusammen.»

Wie er später feststellen sollte, reichten diese außergewöhnlichen Beispiele tibetischer Malerei zurück in die Zeit vom 12. bis zum 17. Jahrhundert. Sie bildeten den Grundstock für seine tibetische Sammlung von Hunderten von Gemälden, Buchdeckeln und Skulpturen.

Der Markt für tibetische Antiquitäten wuchs zunächst nur langsam, aber regelmäßig. Mit zunehmendem Interesse des Westens an Tibet in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts etablierte er sich. Auktionen führten zu ersten bemerkenswerten Ergebnissen.

Das Wachstum nahm weiter zu und führte am 26.10.2014 in Hong Kong zu einem bisher unerreichten Spitzenpreis von fast 60 Mio US $ für einen gesticktem Thangka aus dem 14. Jahrhundert in einer Größe von 132 x 84 in. | 335 x 213 cm.

Es handelt sich bei dieser Kommerzialisierung um eine zweischneidige Angelegenheit. Viele Tibet Freunde kritisieren, dass dies eine Entwicklung darstellt, die mit den Grundzügen des tibetischen Buddhismus nicht in Einklang zu bringen sind. Sakrale Objekte dürften nicht gehandelt werden. Andererseits führte das westliche Interesse an diesen Artfakten aber auch zu einer Bewahrung der tibetischen Kultur.

Zahlreiche Museen in der ganzen Welt haben inzwischen größere Sammlungen tibetischer Sakralkunst in ihren Beständen. Das wäre ohne großzügige Schenkungen, Leihgaben und Vermächtnisse von wohlhabenden Sammlern nicht möglich gewesen.

Antiquitäten sind niemals vermehrbar. Das Interesse an diesen Objekten ist aber ungebrochen. Museen veräußern ihre Bestände nur in seltenen Ausnahmefällen und Sammler trennen sich genauso selten von ihren jahrelang zusammen getragen Schätzen.

Diese Situation führt nahezu zwangsläufig zu zwei äußerst beklagenswerten Entwicklungen: Fälschungen und Diebstähle. Vor allem in China arbeiten Werkstätten an der Herstellung von Antiquitäten jeder Fachrichtung tw. in einer Qualität, die selbst von Fachleuten nur schwer oder gar nicht zu erkennen sind.

Was Tibet anbelangt so liegt der Schwerpunkt der Fälscher auf Bronzestatuen die in einer Herstellungstechnik produziert werden die eine künstliche Alterung verursachen. Auch angebliche altersbedingte kleine Schäden werden erzeugt. Diese Statuen sind schwierig als «Neu«» zu erkennen. Wenn Stil, Farben und Ikonographie stimmen kann nur eine aufwändige Metallanalyse Sicherheit geben.

Thangkas sind dagegen schwieriger zu fälschen, denn alte Leinwände, gealterte Farben, Brüche und andere Merkmale alter Rollbilder sind wesentlich schwieriger zu produzieren.

Diebstähle aus Klöstern sind leider immer noch häufig. Dasa gilt insbesondere für wenig gesicherte Klöster in entfernten Regionen Nepals und Indiens. Eine sehr interessante Dokumentation wurde dazu vom arabischen Sender Al Jazeera [The Great Plunder] produziert

Leider kommt es auch immer wieder vor, dass sogar Bewohner der Klöster die Schätze ihres eigenen Klosters stehlen und verkaufen.