Dharmapala Thangka CentreIconography


Tibetan Iconography

Frühe Malerein in Zentral Tibet

Technik und Materialien in der frühen zentraltibetischen Malerei

Auszug aus: Geheime Visionen - Frühe Malerei aus Zentral Tibet,
von Steven M. Kossak and Jane Casey Singer, mit einem Essay von Robert Bruce-Gardner

© by The Metropolitan Museum of Art, New York.
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung

Bildträger

Obwohl die meisten Bilder dieser Ausstellung auf einem Bildträger aus Baumwolle ausgeführt wurden, ist dazu auch Leinen oder, eher selten, Seide eingesetzt worden. In Bezug auf ihre Beschaffenheit und auf ihr Verhalten unterscheiden sich Baumwolle und Leinen nur wenig, und die Wahl des einen oder anderen Gewebes ist, zumindest bisher, kein Hinweis auf eine besondere Region oder auf bestimmte Stile. Die Eigenschaften des gewobenen Bildträgers und seine Leistungsfähigkeit werden hauptsächlich durch die Stärke des Garns und die Dichte des Gewebes bestimmt. Ein feiner, aber lose gewobener Faden kann die darauf angebrachte Grundierung nicht richtig halten und es wird so beim Rollen des Bildes zu Rissen und zum Abblättern kommen; ein fester Faden, der zu dicht gewoben ist, bedingt eine relativ dick aufgetragene Grundierung, um das Gewebe zu bedecken - wenn die Malschicht jedoch keine ausreichende Verankerung in den Zwischenräumen der Fäden hat, ist sie nicht weniger verletzlich.

Die meisten Thangkas haben eine mittlere bis feine Faden- und Gewebestärke mit fünfzehn bis dreißig Fasern pro Quadratzentimeter, wobei die Unterschiede unabhängig vom Format sind. Große Rollbilder bestehen häufig aus zwei oder mehr aneinander genähten Stoffbahnen, deren Nähte durch die Grundierung verdeckt sind. Der Bildträger des großen Tara-Thangkas scheint jedoch aus einem einzigen Stück zu bestehen, was auf einen ungewöhnlich breiten Webstuhl [über achtzig Zentimeter] schließen lässt. Auch kleine Bilder können aus verschiedenen Geweben bestehen, die sogar unterschiedliche Webarten aufweisen können; dies liegt entweder am Mangel an geeignetem Material oder an der Verehrung bestimmter Stoffteile. So wurde zum Beispiel ein kleines, nur etwa dreiunddreißig auf einundvierzig Zentimeter messendes Tara-Bild auf ein Baumwolltuch gemalt, das durchlöchert und vor der Grundierung und Bemalung repariert worden war - die Wahl eines solchen Bildträgers erscheint für die Darstellung einer Göttin eher ungewöhnlich. Anschließend wurde das Bild klein zusammengefaltet, was darauf hinzuweisen scheint, dass es bei seiner Weihung zusammen mit anderen Opfergaben in das Innere einer metallenen Kultfigur gegeben wurde. Daraus könnte durchaus der Schluss gezogen werden, dass nicht nur die Darstellung der Tara, sondern auch der Stoff selber in irgendeiner Weise religiöse Kraft besaß.

Abgesehen von den berühmten blau-weißen Schachbrettmustern der Baumwoll-, Leinen- und Seidenstoffe einiger Bilder aus Khara Khoto in der Staatlichen Eremitage von St. Petersburg findet man bei den frühen Thangkas gefärbtes Garn nur selten. Das Gewebe beim Bild des Vaishravana jedoch besteht aus rot gefärbtem Leinen. Für die Grundierung und für die Malerei darüber hat diese Farbe keine optische Funktion. Handelte es sich bei diesem Stoff einst vielleicht um das persönliche Eigentum oder gar um ein Fragment vom Gewand eines verehrten Mönchs oder Lehrers.

Seidenstoffe wurden wegen ihres feinen und dünnen Gewebes meist nur für kleinformatige Bilder verwendet. Die präzise, detaillierte Zeichnung und die subtile Modellierung mit Lasuren beim Thangka der Ushnishavijaya sind auf einer Seide mit einer nur hauchdünnen Grundierung ausgeführt worden. Die Farbe des Gewebes ist immer noch sichtbar. Einzelne Seidenmalereien wurden auf stabilere und dauerhaftere Bildträger aufgespannt. Beispiele dafür finden sich vor allem unter den Thangkas mit Fußabdrücken bedeutender Lamas. Weshalb diese Besonderheit gerade bei diesem Bildthema anzutreffen ist, hat man bisher noch nicht erklären können.

Die Vorbereitung von Seide als Bildträger wird gewisse Unterschiede gehabt haben, aber andere Gewebe wurden zuerst an ihren Kanten mit dünnen Holzleisten vernäht, die anschließend in einem größere, festen Rahmen verspannt wurden. Wenn erforderlich, konnte die Spannung während des Malvorgangs jederzeit reguliert werden, ohne dass auf einzelne Stellen besonderer Druck ausgeübt werden musste. Das Gewebe verzog sich weniger stark, wenn der Stoff regelmäßig und eng an die Leisten angenäht wurde, da die Spannung dann gleichmäßiger verteilt wurde. Nachdem der Stoff im Rahmen unter Spannung stand, wurde er vermutlich mit einem tierischen Leim überstrichen, der die Gewebefasern durchdringen und versiegeln und so ein zu rasches und übermäßiges Eindringen des darauffolgenden Malgrund-Auftrags in den Träger verhindern sollte. Es scheint, dass diese Vorleimung nur in einer ziemlich dünnen Lösung aufgetragen wurde, denn man kann sie nicht als solche wahrnehmen, auch in den Zwischenräumen des Gewebes hat sich kein Leim gesammelt. Ein dicker Leimanstrich hätte mit der Zeit ziemlich sicher zu Rissen und Abblätterungen geführt, da die Rauheit und Griffigkeit der Stoffoberfläche dadurch verringert worden wäre und sie durch Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit und damit einhergehende Ausdehnungen und Schrumpfungen allmählich spröde geworden wäre.


Grundierung ...