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Tibetische Ikonographie

Rahula

Ernst traten sich alle Buddhas auf der Spitze des Berges Meru um zu beratschlagen, wie sie die Menschen gegen das Hala Hala Gift der bösen Dämonen schützen könnten. Sie holten das Wasser des Lebens [Amrita, tib: dü tsi] aus der Tiefe des Ozeans und übergaben es Vajrapani, der es bis zur Verteilung an die Menschen hüten sollte. Aber der Führer der Bösen Geister Lha Mayin Rahul hörte davon und benützte Vajrapanis Abwesenheit, um den Amrita auszutrinken. Nicht genug damit, urinierte er auch noch in das leere Gefäss.

Nach dieser Untat machte er sich auf und davon. Er war schon weit, als Vajrapani nach Hause kam. Sobald dieser den Diebstahl entdeckte, nahm er die Verfolgung des Übeltäters auf. Er holte ihn schließlich ein und warf seinen Vajra nach ihm, der Rahuls Unterleib zertrümmerte. Da dieser Amrita getrunken hatte, überlebte er die schweren Verletzungen. Aus allen seinen Wunden tropfte das Wasser des Lebens auf die Erde, wo daraus die verschiedensten Heilkräuter sprossen.

Wieder trafen sich die Buddhas, um zu besprechen, was mit Rahuls Urin passieren sollte. Ihn einfach auszugießen. hätte eine ungeheure Gefahr für alle Lebewesen bedeutet, da er eine große Menge des Giftes Hala Hala enthielt. Sie beschlossen, dass Vajrapani ihn zu Strafe für seine Unachtsamkeit trinken müsse. Durch das Gift wandelte sich seine Körperfarbe von Gelb zu Dunkelblau.

Auch Rahul erhielt seine Strafe. Die Buddhas ersetzten seine Beine durch einen Drachenschwanz und verwandelten seine Wunden in einen großen Schlund und vielen viele Augen.

Schon in seiner Jugend war Rahul ein rechter Unhold gewesen, doch nach seiner Verwandlung wurde es noch viel schlimmer mit ihm. Da Sonne und Mond ihn auf seiner Flucht vor Vajrapani verraten hatten, galt ihnen seine ganz besondere Rache. Er überschattet sie, während er versucht, sie zu verschlingen. So verursacht er immer wieder Sonnen- und Mondfinsternis.

Quelle: E. Schlagintweit, Buddhism in Tibet, pp. 114 ff