Dharmapala Thangka CentreSchool of Thangka Painting


Tibetan Iconography

Frühe Malerein in Zentral Tibet

Technik und Materialien in der frühen zentraltibetischen Malerei

Auszug aus: Geheime Visionen - Frühe Malerei aus Zentral Tibet,
Copyright ' 1998 by The Metropolitan Museum of Art, New York.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung

Aufschriften

Die meisten Thangkas haben auf ihrer Rückseite Aufschriften, und zwar in verschiedenen Textgattungen und Anordnungen, Farben und Schriften. Am häufigsten sieht man ein einfaches Mantra, zusammen vielleicht mit buddhistischen Formeln der Anrufung und Verehrung, die mitunter in der Form eines Stupa aufgeschrieben wurden. Die Mantras befinden sich auf der Rückseite jeweils hinter der auf der Vorderseite dargestellten Gottheit oder Figur und sind oft durch einen hellgelben Pinselstrich markiert. Man kann annehmen, dass nicht viele Maler zugleich besonders fähige Kalligraphen waren und dass diese Markierungspunkte einem entsprechenden Spezialisten während der letzten Vorbereitung der Weihezeremonie als Orientierung dienen so ten. Diese Weihung und Kraftübertragung verkörpert und aktiviert die geschriebenen Symbole auf der Rückseite der fertig gemalten Figuren, doch dies gilt nicht für jedes Thangka. Die Röntgenaufnahme von einem Detail einer Figuren links im Bild des Vaishravana zeigt ein Beispiel, wo die unbemalte Bildfläche auf der Vorderseite an der Stelle, die in d Folge bemalt werden sollte, durch ein Mantra "geladen" wurde, das unter dem Gesicht dieser Figur erkennbar ist.

Das tiefe Indigoblau in der Figur des Yamantaka wird unter Infrarot transparent und lässt sonst unsichtbar Mantras und eine in konzentrischen Kreisen geschriebene buddhistische Weiheformel erkennen, die die Bildfläche weihen sollten, noch bevor mit der Malerei begonnen wurde. Keines dieser Bilder hat auf der Rückseite einer Aufschrift - es bestand keine Notwendigkeit dafür. Die Botschaft der weihenden übergabe tragen sie im Versteckten unsichtbar seit dem Zeitpunkt ihrer Schöpfung. Dies sin geheime Visionen unterhalb der heiligen Bilder, in denen das Göttliche verwirklicht, wer durch Sehen den Weg der Befreiung geht.