Chakrasamvara
tibetisch "bDe-mchog"
 

Chakrasamvara


Die Yidam-Gottheit Paramasukha-Chakrasamvara wird zumeist in mystischer Vereinigung [tib.: „yab yum“] mit seinerweiblichen Weisheitspartnerin Vajravarahi [tib.: „rDo- rje- phag- mo“] dargestellt. Paramsusukha bedeutet übersetzt „höchste Glückseligkeit“ und Chakrasamvara „das Rad integriert habend“. Die tibetische Bezeichnung „bDe-mchog entspricht der Übersetzung des ersten Namensteils. Häufig wird er auch mit der Kurzform „Shamvara“ bezeichnet. 

Das der Paramasukha-Chakrasamvara Figur zugrundeliegende gleichnamige Tantra ist auf innere Meditationspraktiken ausgerichtet und ist ein bedeutendes „Mutter-Tantra“ der Höchsten Yoga Tantra-Klasse, die alle wesentlichen Lehren der weiblichen Buddhas und Vajradakinis und Vajrayoginis, enthält. Es dient dazu, den Geist des „Klaren Lichtes“ zu entfalten und zu meistern. Dieses Tantra wird in allen vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus gelehrt und erfreut sich sowohl bei den Kagyüpa und Sakyas als auch bei den Gelugpas besonderer Beliebtheit.  

Der Legende nach nahm Buddha Shakyamuni die Erscheinungsform dieser Gottheit an, um auf dem Gipfel des Berges Kailash Shiva und Parvati die Tantras zu lehren.  

Die Vereinigung mit Vajravarahi symbolisiert die glückselige Vereinigung von Mitgefühl und Weisheit, die Wirklichkeit der Erleuchtung.  

Shamvara besitzt vier Köpfe, die vier der fünf Buddhaweisheiten symbolisieren. Normalerweise ist der zentrale Kopf blauschwarz. Dieser Kopf besitzt die direkte Erfahrung der Vollkommenheit der Letzendlichen Wirklichkeit. Sein roter Kopf zur rechten entstand in dem Wissen um alle Wesen und di Besonderheit ihrer Individualität, während der gelbe hintere für die Begeisterung über die Vollkommenheit der Lebensfülle steht. Sein letzter weißer Kopf [links] ist Synonym für die faszinierenden Formen der Perfektion des Absoluten. Alle Köpfe besitzen drei Augen, das dritte mitten auf der Stirn erschaut die tieferen Wirklichkeiten des Spirituellen. Außerdem zeigen die drei Augen, dass Shamvaradas Wesen der drei Zeiten [Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft] kennt.  

Die Farben und Blickrichtungen der vier Köpfe entsprechen der Struktur des Mandala, in der im Gegensatz zu unserer Darstellungsform Westen oben liegt.  

Sein Haar ist in der Haartracht eines Yogi gehalten und mit einem Halbmond geschmückt, eine Erinnerung daran, dass er zuerst von Wanderasketen im mittelalterlichen Indien verehrt wurde, und dass er, eine - durch und durch buddhistische Gottheit - einige Attribute mit Shiva, dem hinduistischen Gott der Yogis gemeinsam hat.  

Eine lange Kette aus frisch abgeschlagenen Menschenköpfen, Symbol für die Besiegung und Transformation der selbstsüchtigen mentalen Prozesse, liegt auf seinen breiten Schultern und fällt zwischen seine Beine. Eine zartere Kette aus winzigen Schädeln hängt von Nacken seiner Weisheitspartnerin Vashravarahis hinab. Die zusammengebundenen Enden eines Tigerfellschurzes spannen sich zwischen den Oberschenkeln Shamvaras.  

Shamvara und Vajravarahi stehen auf zwei Gottheiten: Rechts auf der roten, weiblichen Kalaratri und links auf der männlichen, blauen Gottheit Bhairava. Beide Gottheiten besitzen vier Arme. Shamvara und Vajravarahi demonstrieren damit ihren Sieg selbst über die göttlichsten Formen des Egoismus und über die himmlischsten Formen der Normalität. Außerdem soll diese Darstellung verdeutlichen, dass weder Gier noch Verblendung in ihrer transzendenten Leidenschaft liegen.

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