Kinderhilfe Nepal e.V. / Childrens´s World
- Newsletter August / September 2018 -

Liebe Freunde,

Nepal, das zwischen den zwei rasend wachsenden Großmächten China und Indien eingezwängt liegt, hätte an und für sich alles, um ein wohlhabendes Land zu werden. Seit eh und je stehen die großen Wasserreserven des Himalayas dem Land zur Verfügung, und ein wohl bedachter Ökotourismus könnte ebenfalls den Nepalesen zum Wohlstand verhelfen. Wegen der hierzulande andauernden politischen Instabilität sind ausländische Firmen aber nicht gerade geneigt, in Nepal zu investieren. Premierminister Oli tut zur Zeit sein Bestes, um die Beziehung zu Indien zu verbessern, und versucht dabei, sein Land finanziell attraktiv zu machen, wohl wissend, dass der große Nachbar, der unter extremer Trockenheit leidet, großes Interesse an dem Wasserpotential des Himalaya-Staats hat.

Bei all diesen Ressourcen bleibt der Wassermangel nach wie vor das größte Problem der Nepalesen im Kathmandutal und in den Ebenen. In dem Dorf MUDHKU, in dem wir nach der großen Katastrophe von 2015 erdbebensichere Häuser für 20 Familien gebaut haben, müssen die 350 Bewohner zwei Kilometer durch die Hügel auf und ab gehen, um Wasser an einer 2 Kilometer entfernten Wasserstelle zu holen. Dieses Wasser kommt durch eine schon existierende Kanalisation direkt aus einer 3 Kilometer entlegenen Waldquelle. Die starken Plastikrohre, die notwendig wären, um das Dorf an diesem Rohr anzuschließen kosten aber 5000 €, und die Mudhku Bewohner haben dieses Geld einfach nicht. Zementrohre zu benutzen würde die Kosten mehr als verdreifachen und wäre außerdem sinnlos, weil die Erdschichten sich durch die häufigen kleinen Erdbeben ständig verschieben und die Quellen sich dann verlagern. Die Regierung ist wieder einmal nicht bereit, ihren Beitrag zu leisten.

Wie die meisten Nepalesen lieben die Bewohner von Mudhku religiöse Rituale, bei denen sie den Göttern ihr erbrachtes Opfer in Form von Blumen, Obst und Räucherwerk anbieten und sich dafür ein besseres Leben erhoffen. Dieses Mal müssen die Götter besonders gnädig gewesen sein, denn einer unserer langjährigen großzügigen Spender hat sich schon bereit erklärt, die Kosten für die Wasserrohre zu tragen. In den 20 von uns neugebauten Häusern werden zwanzig Familien endlich ihr kleines Badezimmer benutzen und ihre Wäsche zu Hause waschen können.

Wegen der Feindseligkeit, die wir bei unserer Arbeit im Slum von THAPATHALI schon länger zu spüren bekommen, fand dort ein Treffen von unseren Mitarbeiterinnen Muna und Sushma mit dem "Slumkomitee" statt. Die Verantwortlichen konnten keine Erklärung für die in dieser Siedlung unangenehme Atmosphäre liefern, versprachen aber, dass die Slumbewohner sich in Zukunft kooperativ zeigen würden, anstatt uns die Arbeit durch ihre Unfreundlichkeit zu erschweren. Sie meinten auch großtuerisch, dass wir unsere Hilfsgelder besser verwenden könnten, wenn wir für ihre Kinder die Schulgebühren bezahlen würden, anstatt das Geld für den teuren Milchbrei zu verschwenden.

Dass aber dieser nahrhafte Brei mit seinen Vitaminen und Mineralien für eine gute geistige und körperliche Entwicklung ihrer Kleinen unentbehrlich ist, interessiert die Eltern wenig. Hauptsache sie empfinden Stolz, wenn sie jeden Morgen ihre süßen Sprösslinge adrett in ihren teuren Uniformen in die Schule gehen sehen, auch wenn die Kleinen mit zwei Tellern Reis am Tag unterernährt sind und wenig Chancen zu einer glorreichen Zukunft vor sich haben.

Wir tragen schon die Schulgebühren für 300 Kinder unseres Projekts, und nicht ALLE Bewohner von Thapathali sind so schrecklich arm, dass sie diese Gebühren nicht selbst bezahlen könnten. Die Regierung ist jetzt dabei, die Bewohner aller Slums zu registrieren. Thapathali müsste zuerst umgesiedelt werden, weil der Staat vor 5 Jahren die festen Unterkünfte, die die Bewohner gebaut hatten, mit Bulldozern zerstören ließ. Es waren schon vor dem Erdbeben von 2015 neue Unterkünfte für sie gebaut worden, die nach der Katastrophe kürzlich endlich renoviert wurden. Laut der Staatsvertreter sollen ab jetzt nur die Familien, die nicht mehr als 350 € im Jahr verdienen, als bedürftig bezeichnet und offiziell als Slumbewohner anerkannt werden. Eine unglaublich lächerliche Summe, wenn man bedenkt, dass kaum eine Familie in Nepal mit so wenig Geld überleben könnte!

Theoretisch müssten alle anderen Slumleute bald die Ufer des Bagmati Flusses verlassen. Die Gesamtheit der Bewohner weigert sich aber, ihre miserablen Lebensbedingungen aufzugeben: Die Wohnungen dieser neuen Siedlung seien zu klein, zu weit entfernt von der Stadtmitte, und außerdem müssten sie dann Miete zahlen, meinen sie.

Andererseits revoltieren die armen Menschen, die in der Nähe dieser neuen Gebäude leben, und wollen selbst dort einziehen. Folgendes wird mit höchster Wahrscheinlichkeit passieren: Die Beamten werden zwar anfangen, die Leute zu registrieren, es ist aber davon auszugehen, dass dieses Umsiedlungsvorhaben noch lange nicht durchgeführt wird.

Der Slum von BANSHIGAT bleibt nach wie vor unser Vorzeigeslum: Durch den Einfluss unserer jahrelangen Arbeit ist die Siedlung jetzt sauberer als andere Slums, und die meisten Behausungen sind mit festen Materialien gebaut. Unser Kindergarten, unsere Alphabetisierungs Klasse und der Gesundheitsposten geben dem Besucher ein gutes Bild von unserem Tun in Kathmandu.
Aber auch wenn die Banshigat Bewohner sich gut entwickelt haben, unterscheidet sich ihre Moralvorstellung gänzlich von unserer: Wie in anderen Slums auch, haben diejenigen, die seit langer Zeit hier ein kleines Stück Land für sich in Anspruch genommen haben, in der letzten Zeit noch mehr Räume gebaut, um sie an Erdbeben- und Erdlawinenopfer für viel Geld zu vermieten. In jedem kleinen Zimmer wohnen sechs bis sieben Leute. Öffentliches Land zu besetzen und es als das eigene zu betrachten, würden wir, Europäer, als illegal ansehen. Aber dieses Land zu benutzen, um sich an vom Schicksal geplagten Menschen zu bereichern, würden viele von uns als unmoralisch bezeichnen. Wenn wir dies den Slumbewohnern sagen, schauen sie uns völlig verblüfft und verständnislos an.

Unsere "MAUTE" Nomaden, die eigentlich keine mehr sind, obwohl sie immer noch unter Zelten nahe am Flughafen Kathmandus leben, sind nach wie vor zufrieden und lebensfroh. Sie können vor lauter Staub und Abgasen der stark befahrenen Straße, an der sie unmittelbar lagern, kaum atmen, merken es aber nicht einmal. Sie werden von den startenden und landenden Maschinen von Kerosinpartikeln regelrecht begossen, und wenn wir sie darum bitten, zum Wohle ihrer Kinder eine bessere Lagerstelle zu suchen, sagen sie, wir sollten uns doch keine Sorgen machen, all dies würde sie nicht stören und gehöre zum Leben.

Eine andere plötzlich aufgetauchte Maute Sippe betreibt nebenan eine Schweinezucht, so dass üble Gerüche und Bakterien dazu beitragen, das Leben der Menschen dort so unhygienisch wie möglich zu machen. Dies stört die Lebensfreude unserer "Freunde" nicht. Sie nehmen unsere Unterstützung dankbar an, und die Frauen vergessen immerhin nicht, ihre Kleinen täglich mit unserem Milchbrei zu versorgen, weil sie jetzt begriffen haben, wie wichtig das für ihre Kinder ist. Es ist eigentlich erstaunlich, wie wenig anfällig sie alle für Krankheiten sind, als wären ihre Lebensumstände die beste Impfvorsorge der Welt!

Vielen Dank an Sie alle, die die Arbeit der Kinderhilfe Nepal in Kathmandu und Mudhku weiterhin so treu unterstützen! Die Spendenquittungen für dieses Jahr schicken wir Ihnen im Dezember.
Herzliche Grüße

Herzliche Grüße
Elisabeth Montet