Kinderhilfe Nepal e.V. / Childrens´s World
- Newsletter Dezember 2013 -

Liebe Freunde,

Ende November 2013 fanden in Nepal die schon so lange geplanten Wahlen statt, die von mehreren Gewalttaten zwischen rivalisierenden Parteien überschattet wurden. Alles wurde versucht, um ans Ziel zu kommen: Benutzung von Kindern während der Wahlkampagne sowie Einschüchterung und Bestechung von Wählern. Die Maoisten mussten einen schweren Verlust erleiden, während die konservative "Nepali Congress" kurz vor der kommunistischen Partei Nepals die meisten Stimmen erntete. Die gewählten Abgeordneten werden jetzt nicht nur eine Regierung bilden, sondern auch ein Grundgesetz ausarbeiten und eine Verfassung zustande bringen müssen.

Nur 25% der etwa 30 Millionen Nepalesen durften wählen, weil die meisten Einwohner offiziell nicht registriert sind. Nur zwei Drittel der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab: Auch wenn sie zum großen Teil Analphabeten sind, wussten die Bürger des Himalaya-Staates ganz genau, dass die Politiker aller Parteien niemals in der Lage sein würden, ihre unrealistischen Versprechen zu halten. Die Korruption der Mittelklasse und der Reichen ist im Lande eine richtige Institution geworden und sie nimmt den Armen jede Hoffnung, es selbst zu etwas zu bringen. Für die Hälfte der Nepalesen, die mit weniger als einem US$ pro Tag auskommen müssen und nur damit beschäftigt sind, den Magen ihrer Familie zu füllen, sind die Regierenden halt Wesen einer völlig fremden Gattung. 50% der Bevölkerung besitzen nicht einmal eine Toilette und erledigen ihre Bedürfnisse im Freien, und die Hälfte aller Kinder ist mangelernährt.

In diesem Kontext halten wir uns bei unserer Arbeit an unseren wichtigsten Zielen: Die Kinder der Slums mit einer wertvollen Nahrung zu versorgen, damit sie sich später so gut wie möglich entwickeln können, und die Mütter immer wieder aufzuklären, warum der Kampf um eine bessere Hygiene innerhalb der Familie so wichtig ist. Wir haben unseren Einsatz auf drei Slumgebiete konzentriert und greifen in anderen Slums nur ein, wenn akute Situationen es notwendig machen. Der Gesundheitsposten im Kindergarten vom Banshigatslum ist inzwischen der wichtigste Treffpunkt der Siedlung geworden. Sobald die Kinder von uns alphabetisiert sind, schulen wir sie ein und zahlen ihre Schulgebühren. Wenn wir den Slum von Banshigat mit dem von Thapathali vergleichen, in dem wir erst seit einem Jahr die Menschen unterstützen, müssen wir einen großen Unterschied in ihrem jeweiligen Verhalten feststellen: Nach fünf Jahren Zusammenarbeit mit uns, sind die Leute von Banshigat sauberer, viel würdiger und sogar respektvoller uns gegenüber geworden, während die 1500 Einwohner vom Thapathalislum sich nur langsam entwickeln und sich, wenn ihnen etwas nicht passt, wie "Wilde" benehmen können.


Das zeigten sie uns, als wir dort Winterjacken für die Kinder verteilten: Viele Eltern hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, den Namen ihrer Kinder auf der Bestellliste einschreiben zu lassen, und wir wurden in der plötzlich unruhig werdenden Menge regelrecht angerempelt, weil es nicht genug Jacken gab. In solchen Momenten hat man kurz den Eindruck, die Situation nicht mehr ganz unter Kontrolle zu haben… Als wir eine Woche später eine Arztuntersuchung der 400 Kinder dieses Slums durchführten, waren wir sehr erstaunt über die Anwesenheit von freundlichen Polizisten, die, sagten sie, da wären, um uns zu beschützen: Vielleicht lag es daran, dass ein paar Tage zuvor ein deutscher Tourist in Kathmandu überfallen, beraubt und verletzt ins Krankenhaus gebracht wurde. Im Lager der Nomadengruppe der Maute, in dem wir auch Hilfe leisten, herrscht stets Ordnung. Die Mauteleute sind zwar ein Wandervolk, das sich nur halbjährlich in Kathmandu aufhält, aber sie sind immer zuvorkommend, wenn ihnen Unterstützung angeboten wird. Die Verteilung von notwendigen Medikamenten für die Kinder vom Thapathalislum an ihre Mütter verlief ein paar Tage später schließlich friedlich.

Trotz solcher einzelnen Unannehmlichkeiten in dieser Siedlung fangen die Frauen an, uns zu vertrauen und zeigen Dankbarkeit für unsere Hilfe. Wie in Banshigat wird auch hier unser mit Vitaminen und Mineralien angereicherter Brei an die Kinder verteilt, und wir versorgen die 1500 Menschen der Siedlung regelmäßig mit trinkbarem Wasser. Dieses Mal konnten wir ein Aufklärungstreffen über weibliche Hygiene organisieren. Die Frauen schienen, unsere Ratschläge ernst zu nehmen, und wir haben Medikamente gegen Pilzinfektionen verteilt, mit der Bitte, die Ehemänner an der Behandlung teilnehmen zu lassen.

Während Sushma in Banshigat unterrichtet, und Muna sich um die Gesundheit der Kinder der Slums kümmert, hat Sija inzwischen einen Jugendclub für die größeren Kinder von Banshigat ins Leben gerufen. Mädchen und Jungen haben eine Show vorbereitet, die sie vor den 250 älteren Menschen des einzigen Altenheims Kathmandus vorgeführt haben. Dieses Heim entspricht natürlich bei weitem nicht dem hygienischen Standard unserer europäischen Seniorenheime, aber es ist für diese verlassenen alten Menschen ein richtiges Zuhause. Es befindet sich in einer alten Tempelanlage, und die Alten werden gut ernährt und laufen tagsüber draußen frei herum, wenn sie es noch können und wollen. Die Kinder haben ihnen nach der Vorführung einen Teller mit Süßigkeiten und Obst verteilt, in denen wir für jeden einen Geldschein von 100 Rupien (etwa 80 Cent) versteckt hatten.

Die Freude war groß, und diejenigen, die noch dazu fähig waren, haben am Ende mit den Kindern zusammen getanzt. Es sind zusammen 700 Kinder, die wir täglich ernähren, unterrichten lassen und medizinisch betreuen. Und etwa 3000 Erwachsenen profitieren von dieser Aktion, ganz besonders vom sauberen Wasser. Wir haben festgestellt, dass es oft reicht, diese im Elend lebenden Menschen ernst zu nehmen, damit sie sich selbst überhaupt als Mensch wahrnehmen, und es ist immer wieder eine große Freude, plötzlich etwas wie Würde und Selbstachtung in ihrem Auftreten festzustellen. Es ist Ihre treue finanzielle Unterstützung, die sie dazu bringt, sich zu entwickeln und Schritt für Schritt voran zu kommen.

Noch einmal vielen Dank an Sie alle, die dies ermöglichen. Wir wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und ein gutes, gesundes neues Jahr 2014.

Herzliche Grüße,
Elisabeth Montet