Kinderhilfe Nepal e.V. / Childrens´s World
- Rundbrief Dezember 2008 -8

Liebe Freunde,

im Dezember sinken abends die Temperaturen im Tal von Kathmandu plötzlich von 20 auf null Grad. Schon bei Sonnenuntergang kämpfen die meisten Menschen gegen die Kälte indem sie aneinandergeschmiegt das Wenige essen, was die Eltern der Familie tagsüber verdient haben Reis mit einer dünnen Linsensuppe und, wenn der Tag erfolgreich war, ein bisschen Gemüse dazu. An den Strommangel hat sich die Bevölkerung schon längst gewöhnt, obwohl das ganze Tal von Kathmandu im Moment 14 Stunden täglich ohne Strom lebt: die Rechnung können die meisten ohnehin nicht bezahlen. Fabriken und Kleinunternehmen müssen deshalb aber schließen und es gibt noch mehr Arbeitslose. Die Zeitungen berichten zwar, die Gewässer des Himalajas seien dieses Jahr zu Gletschern gefroren; aber die neue Regierung weiß, dass die Elektrizitätsknappheit so wie der Mangel an sauberem Wasser ganz andere Gründe hat. Die Hoffnung, die vor 5 Monaten nach der Ernennung des maoistischen Ex-Rebellenchefs Prachanda zum Premierminister entstanden war, verflog sehr schnell. Die Maoisten haben nicht die volle Mehrheit im Parlament und können keine echte Politik durchsetzen.

Durch die Inflation sind die Preise in Nepal innerhalb einer Woche um 30% gestiegen. Alkoholische Getränke dürfen jetzt nur mit Lizenz in teuren Läden verkauft werden: ein wirklich "großartiges" Gesetz gegen Alkoholismus, denn die Armen besuchen solche Geschäfte nicht und brauen ihren Reisschnaps selbst, auch wenn es verboten ist! Die maoistische Partei ist gespalten. Nach zwölfjährigem bitterem Kampf im Dschungel des Landes genießen ihre Anführer jetzt offensichtlich den Luxus ihres neuen Status, während die Opposition alles tut, um jede vernünftige Reform zu verhindern. Sie werden in teuren Autos gefahren und, da ihre Namen jetzt von der internationalen Terroristenliste gestrichen wurden, reisen sie bei jeder Gelegenheit in die Welt.

Auch in unserem Slum wird Schnaps illegal vor aller Augen hergestellt. Dort leistet Sija mit ihrem Team nach wie vor eine effiziente Arbeit. Manchmal schafft sie es, Frauen so weit zu bringen, dass sie sich nicht mehr betrinken. Eine Spenderin hatte sich angeboten, für eine der Betroffenen eine Entziehungskur zu zahlen. Die Frau sei aber ein hoffnungsloser Fall, meint Sija, und das Geld dafür wäre reine Verschwendung.

Die noch vor ein paar Monaten energische Mitarbeit der maoistischen Anhänger der Siedlung hat aufgehört. Die Frauen, die damals besonders aktiv geworden waren, wurden von höherer Stelle aufgefordert, an ihre Kochtöpfe zurückzukehren. Jetzt sitzen sie wieder herum und müssen erneut motiviert werden. Die meisten Angestellten des Projektes, ganz besonders die Hilfskräfte, stammen aus dem Slum. Das Team, das von uns unterstützt wird, gibt nicht auf, und die Arbeit geht ununterbrochen weiter. Die Kinder werden medizinisch betreut, ernährt und bekommen eine Schulausbildung. Damit sie die Kälte des Winters ohne Erkältung oder Lungeninfektion überstehen, haben wir alle Kleinen wieder mit Anoraks versorgt. Viele von ihnen hatten den vom letzten Dezember noch, aber er war meistens in einem erbärmlichen Zustand, da er im letzten Winter Tag und Nacht getragen wurde. Hinzu kommt, dass die Qualität chinesischer Produkte, die in Nepal verkauft wird, ganz besonders zu wünschen übrig lässt.

Sija ist die Bezugsperson aller Mütter und hilft überall, wo sie kann. Durch die medizinische Hilfe, die sie selbst täglich leistet, werden viele Krankheiten und andernfalls notwendige Krankenhausaufenthalte vermieden. Amir wohnt im nächsten Slum. Vor zwei Monaten fiel er vom Dach. Da kein Geld da war, gingen die Eltern nicht ins Krankenhaus. Eine böse Infektion befiel die multiple Fraktur seines Armes, und nachdem die Mutter mit ihm Sija endlich aufsuchte, musste er zweimal operiert werden und verbrachte 6 Wochen im Krankenhaus, damit sein Körper sich von der Infektion erholte: Dass er noch lebt, hat er Ihnen zu verdanken. Sehr viele Menschen in Nepal sterben, weil sie das Geld nicht haben, rechtzeitig zum Arzt zu gehen und ihr Leben einfach dem Schicksal überlassen.

Sijas Energie ist ansteckend. und unser Slum bleibt der :Schönste- von ganz Kathmandu! Das Trinkwasser, das von uns bis in die Mitte der Siedlung gebracht wurde, wird täglich verteilt und von uns bezahlt. Die alten Menschen braucht Sija nicht zu rufen, wenn der vitamin- und mineralreiche Milchbrei an die Kinder verteilt wird. Plötzlich sind sie alle da und warten geduldig darauf, eine Schale davon abzubekommen. Viele sind es nicht, und man fragt sich, wie sie bei ihren Ernährungsgewohnheiten überhaupt noch am Leben sind. Manchmal gibt es sogar Fleisch und Gemüse, und an solchen Tagen könnte man meinen, das ein großes Fest im Slum stattfindet. Es ist nicht einfach für uns "Westler", mit diesem Elend umzugehen und, wie die Nepalesen es tun, es als Normalität hinzunehmen. Es ist ein ständiger Kampf gegen Staub, Läuse, Flöhe und anderes Ungeziefer. Auch vor den Ratten muss man sich schützen, indem man nichts Essbares im Zimmer aufbewahrt und abends rechtzeitig seine Haustür schließt. Selbst in nChildren"s World", das sonst so sauber ist wie unsere Häuser in Deutschland, kommt es nicht selten vor, dass man die Mädchen nachts schreien hört, weil eine Ratte gerade über ihre Bettdecke rennt. Da kann man sicher sein, dass die eine oder andere irgendwo ein paar Kekse versteckt hat! Die 25 Kinder und Jugendlichen, die dort leben, kommen mit der Schule und ihren Studien gut voran. Die Größeren gehen oft in den Slum, wenn sie Ferien haben, und machen mit den Kindern Sonderaktivitäten.

Obwohl die meisten unserer nepalesischen Freunde nicht so genau wissen, was Weihnachten bedeutet. wissen sie wohl, dass es für uns das größte Fest des Jahres ist. Die vielen amerikanischen christlichen Gemeinden verschiedener Richtungen sorgen auch dafür, dass immer mehr Nepalesen aus dem Kathmandutal erfahren, was eine Kirche ist. Viele werden Christen und geben dabei den Alkohol und ihre frivole Lebensart auf, was sie glauben lässt, dies sei Jesu Werk Auch im Slum hat sich eine große Mehrheit von Menschen schon zum Christentum bekehrt. Keiner verpasst den wöchentlichen Gottesdienst. Es hindert sie aber nicht daran, ihren hinduistischen und buddhistischen religiösen Traditionen zu folgen und sie richtig groß zu feiern.

Die Kinder aus dem Slums und von "Children's World" wünschen Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und bedanken sich für Ihre Unterstützung bei der Verbesserung ihrer Lebensumstände. Auch wir möchten Ihnen unsere besten Wünsche ausdrücken. Diese guten Wünsche werden leider nicht immer erfüllt: Dieses Jahr mussten wir 2 Trauerfälle in einer einzigen Familie bedauern: unsere treue Spenderin Eike Schmidt, und ein paar Monate später, ihre Tochter Sabine mussten uns verlassen. Beide hatten den Wunsch geäußert, dass bei ihrer Trauerfeier, statt Blumen und Kränze zu überreichen, zur Erinnerung an sie an die Kinderhilfe Nepal gespendet werden sollte. Wir bedanken uns bei ihnen, ihren Angehörigen und Freunde sehr herzlich. Glücklicherweise gab es für andere Menschen Grund, ihren Geburtstag groß zu feiern, und auch da wurde großzügig für unser Projekt gespendet.

Ihnen allen noch ein großes Dankeschön für Ihre treue Unterstützung! Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2009!

Elisabeth Montet