Kinderhilfe Nepal e.V. / Childrens´s World
- Newsletter August 2017 -

Liebe Freunde,

trotz der oft gewalttätigen Protestaktionen der separatistischen Madhesis fanden im Juni zum ersten Mal seit 20 Jahren die Kommunalwahlen in Nepal statt. Sieger wurden die Kommunisten. An zweiter Stelle kam die konservative Kongresspartei, die mehr Stimmen erhielt als die klein gewordene maoistische Fraktion: Weil ihr Anführer P.K. Dahal als amtierender Premier Minister mit der rechten Kongresspartei eine Regierungskoalition gebildet hatte, verlor er viele seiner Anhänger, die ihn jetzt als Verräter bezeichnen. Er musste nach den Kommunalwahlen zugunsten einer seit 30 Jahren immer wieder kehrenden politischen Figur der Kongresspartei S.B. Deuba abtreten. Es gibt in Nepal mehr als 30 Parteien, und die Koalition bei der Bildung einer Regierung orientiert sich nicht nach linken oder rechten politischen Vorstellungen, sondern nach der Größe des Egos der Männer, die sich der Spitze der Macht am meisten nähern.

Die meisten Überlebenden des großen Erdbebens von 2015 verbringen ihre zweite Monsunzeit unter Plastikplanen, weil sie immer noch auf Hilfe der Regierung warten. Den Überblick über das Ausgeben der internationalen Spendengelder hat zurzeit kaum jemand, doch darüber wird nicht gesprochen. Durch den dieses Jahr besonders starken Regenfall werden viele Gegenden des Landes von Überschwemmungen geplagt: Die unzähligen provisorischen Unterkünfte werden weggespült, und ganze Dörfer von Erdlawinen verschluckt. Bei diesen auch dieses Jahr vorhersehbaren Ereignissen bleibt die Regierung unfähig, den Opfern richtigen Beistand zu leisten, indem sie ausgebildete Rettungsmannschaften in die betroffenen Gebiete schickt.

Obwohl das Land von so viel Regen überschüttet wird, ist der Mangel an trinkbarem Wasser besonders dramatisch, weil die Wassermassen sich mit den schon von Abwasser und Fäkalien vergifteten Flussgewässern vermischen und das kostbare Grundwasser verseuchen. Die nepalesische Kommission für Menschenrechte appelliert an die Regierung zu handeln und erinnert sie ständig daran, dass auch Nepal die Charta der Internationalen Menschenrechte der UN unterschrieben hat, die jede Regierung dazu verpflichtet, für das Wohlergehen der Menschen ihres Landes zu sorgen.

Aber die Regierenden bleiben taub. Ihre Gleichgültigkeit und Ihre Unfähigkeit, strukturierte und organisierte Aktionen durchzuführen, kombinieren sich mit dem Mangel an Arbeitskräften: Die meisten Nepalesen verkaufen sich lieber für eine unwürdige Arbeits- und Lebensweise in den Golfstaaten, als dass sie für weniger Geld dazu beitragen würden, die Situation ihres Landes zu verbessern. In den Slums von Kathmandu sind die mit der Regenzeit verbundenen Probleme besonders groß, weil die Siedlungen direkt am Ufer des Bagmati Flusses liegen. Die Arbeit von Kinderhilfe Nepal geht weiter, und wir beliefern zwei "unserer" Slums - etwa 4000 Menschen - regelmäßig mit großen Mengen Trinkwasser. Noch näher am verseuchten Fluss können die Bewohner des Slums von Thapatali nicht mehr leben, denn sie wurden letztens von der Regierung ganz ans Ufer des Wassers gedrängt.

Unser "Gesundheitsposten" unter Plastikplanen musste umziehen, und Muna leistet weiterhin medizinische Hilfe in dem üblen Geruch des Hauptstadtabwassers. Gerade weil der Staat der Gemeinschaft endlich erlaubte, sich an das Elektrizitätsnetzwerk anzuschließen, weiß jetzt jeder, dass die für bald geplante Umsiedlung dieses Slums vor mehreren Jahren nicht stattfinden wird. Jetzt haben die Kinder abends keine Entschuldigung mehr, ihre Hausaufgaben nicht zu machen. Muna sorgt auch dafür, dass sie unseren nahrhaften Milchbrei täglich zu sich nehmen. Sie bemüht sich, die Kinder und die Erwachsenen dazu zu bewegen, die Siedlung sauber zu halten, aber die Säuberungsaktionen hinterlassen nur kurz die Spur ihrer Wirksamkeit, weil keiner wirklich lernen will, die eigenen Abfälle nicht da hinzuwerfen, wo er gerade steht.

Der Slum von Banshigat dagegen entwickelt sich positiv weiter, und die 12-jährige Arbeit, die wir jetzt dort geleistet haben, ist durchaus sichtbar, obwohl seine Bewohner auch unmittelbar am Fluss leben müssen. Auch dort finden jedes Jahr Überschwemmungen statt, und die vom verunreinigten Wasser verursachten Krankheiten müssen von Muna in unserem dort gut ausgestatteten Gesundheitsposten bekämpft werden. Durch die immer höher werdenden Kosten in Nepal können wir nur für die Gesundheit der Kinder sorgen und kleine Infektionen kurieren. Sobald aber das Leben der Erwachsenen gefährdet wird, müssten sie ins Krankenhaus, Trotz Munas Ermahnungen holen sie sich zu spät medizinischen Beistand und machen dann unbezahlbare Schulden, wenn sie geheilt werden wollen; oder sie sterben, weil sie das nötige Geld einfach nicht haben. Der Kindergarten und die Schule werden erfolgreich von Sushma geführt. Mit viel Einsatz und Geduld alphabetisiert sie die Kinder, die dann in die von uns bezahlte staatliche Schule gehen.

Im Dorf Mudhku entwickeln sich die 20 Familien, für die wir ein erdbebensicheres Haus gebaut haben, weiterhin vorteilhaft. Es ist bemerkenswert festzustellen, wie ein gutes und würdiges Umfeld, das Verhalten der Menschen ändern kann. Dadurch, dass sie eine Toilette und eine Dusche haben, wirken sie immer gepflegter und sorgen mehr für die Sauberkeit ihrer Umgebung als früher. Die 40 anderen weniger glücklichen Familien, die nicht die Chance hatten, ein Haus nach dem Erdbeben zu bekommen, leben zwar weiterhin unter Plastikplanen, werden aber trotzdem von der neuen Lebensweise der 20 mit einem neuen Haus versehenen Familien beeinflusst: Es wird immer adretter in Mudhku.

Die 500 Kinder der Dorfschule werden nach wie vor in der von uns aus starkem Wellblech gebauten provisorischen Schule unterrichtet. Dank Kinderhilfe Nepal konnten gleich nach dem Erdbeben die Lehrer und die Schulleitung weiter arbeiten. Es wird höchstwahrscheinlich viele Jahre dauern, bis neue Gebäude von der Regierung gebaut werden. Muna hat inzwischen ihrer Mutter beigebracht, bei den Kindern erste Hilfe für kleine Wunden zu leisten und Medikamente gegen Fieber und Durchfall sinnvoll zu verteilen.

Bis jetzt lebten "unsere" 35 Nomadenfamilien unter armseligen aus Stoff- und Plastikstücken gebauten Zelten. Um sie vor dem heftigen Monsun zu schützen, haben wir für sie widerstandsfähige Zelte gekauft, die aus einem textilen mit Kunststoff verstärktem Material hergestellt sind, damit die Kinder weniger krank werden. Muna und Sushma sorgen für die akuten Notbedürfnisse dieser Menschen, aber sie entwickeln sich nicht weiter. Sie bleiben fröhlich, frei und unzuverlässig. Es sind die Frauen, die die Familie zusamen-halten und die leichtsinnigen Männer zur Arbeit schicken, damit es täglich etwas zu essen gibt. Nur im Kinderzeugen sind die Maute Nomaden Meister, und die Zahl der lustigen, frechen immer spielenden Kinder wächst zusehends. Diese Leute sind dennoch dankbar für unsere Unterstützung, ganz anders als die Menschen der anderen Slums, die sehr schnell unfreundlich werden, wenn sie denken, dass sie nicht genug von uns bekommen.

Auch dieses Jahr bedanken wir uns bei Frau Dr. Anke Gaußmann aus dem St. Vinzenz Krankenhaus in Hanau. Sie war wieder mit drei Kollegen zu Besuch in Kathmandu, und Frauen und Kinder unserer drei Slum Siedlungen und auch die Dörfer von Mudhku wurden von ihnen sorgfältig untersucht. Vielen Dank an Sie alle, die die Kinderhilfe weiterhin unterstützen und uns erlauben in Nepal effektiv zu arbeiten. Die Spendenquittungen werden Ihnen wie jedes Jahr im Dezember mit einem neuen Infobrief zugeschickt.


Ganz herzliche Grüße
Elisabeth Montet