Kinderhilfe Nepal e.V. / Childrens´s World
- Newsletter May 2015 -

Frankfurt, Ende Mai 2015

Liebe Freunde,

obwohl die Medien schon längst aufgehört haben, von der Katastrophe in Nepal zu berichten, bebt die Erde weiterhin zwei oder dreimal am Tag bei einer Stärke von 4 bis 5 auf der Richter Skala. Auch die Nepalesen, deren Haus noch "steht", trauen sich nicht, darin zu wohnen und schlafen abends auf nah gelegenen Schulhöfen. 1.600 Schulen im Lande wurden völlig zerstört, und man kann von Glück sagen, dass das Erdbeben an einem Feiertag stattfand, als die Kinder frei hatten. Die noch stehenden Schulen und die Universitäten sind bis aufs weitere geschlossen, und das Land zählt hunderttausende von obdachlosen Menschen. Alle sind verängstigt und mit den Nerven am Ende, denn sie warten auf das ganz große Beben ("The big one"), das, so glauben sie, bald noch kommen soll. Zwei Dutzend Staudämme des Himalayas sind voller Risse, und die Wirtschaft ist auf dem Nullpunkt.

Kathmandu ist halb leer, weil sehr viele Menschen in ihre Geburtsdörfer gefahren oder zu Fuß gegangen sind, um nach ihren Nächsten zu sehen. Viele Ministerien wurden zerstört und unzählige Akten verloren, so dass das Regieren Nepals noch schwieriger als in normalen Zeiten ist, und die Politiker aller Parteien profilieren sich in den Medien, indem sie an Rettungsaktionen vor den Kameras teilnehmen und Schecks an die Opfer verteilen.

Unsere Mitarbeiterinnen Muna, Sija und Sushma arbeiten jetzt mit Eifer daran, alles zu organisieren, damit unser Vorhaben Wirklichkeit wird: Wie wollen Behausungen aus Tarpaulin und Bambus für die 100 obdachlosen Familien vom Munas Dorf Mudhku bauen. Zwanzig provisorische, aber feste Unterkünfte stehen bereits zur Verfügung, und alle Dorfbewohner übernachten schon darin, um sich in Erwartung einer eigenen Unterkunft vor Regen und Erdbeben zu schützen.

Wir sind auf der Suche nach einem Architekten/in, der/die in der Lage wäre, dauerhafte und für die Armen erschwingliche erdbebensichere Häuser mit den in Nepal existierenden Materialien zu entwerfen. Solche Projekte sind schon In Mexiko und Afrika mit Erfolg realisiert worden, und es gibt keinen Grund, warum ein ähnliches Vorhaben in Nepal nicht möglich wäre. Wie es im Moment aussieht, werden nur die wenigen reichen Nepalesen es sich leisten können, ein nach herkömmlichen Methoden erdbebensicheres Haus bauen zu lassen. Die restliche Bevölkerung konnte ein Leben lang nie Geld sparen, da sie sich erst einmal Tag für Tag um das Ernähren der Familie kümmern musste. Unsere Arbeit in den Slums von Banshigat und Thapathali läuft genauso wie vor dem Erdbeben. In Banshigat musste der Kindergarten auf offenem Feld unter einem Zelt aufgebaut werden, da das Holzhaus, in dem er vorher untergebracht war, jede Minute zusammenzustürzen droht. Vor dem Erdbeben verdienten die meisten Frauen aus den Slums Geld, indem sie als Putzfrauen und Wäscherinnen bei Familien aus der Mittelklasse arbeiteten. Jetzt können diese Familien es sich nicht mehr leisten, eine Haushaltshilfe zu bezahlen, weil ihre Häuser oft schwer beschädigt wurden und sie selbst in Not sind.

Das Bauen von neuen Unterkünften im Dorf Mudhku, eine Stunde von Kathmandu entfernt, gibt den Bewohnern Hoffnung, denn sie fühlen sich nicht mehr allein gelassen. Alle schicken Ihnen Grüße aus ihrem Dorf und bedanken sich von Herzen bei Ihnen: Sie haben Ihnen nicht nur Schutz geboten, sondern auch einen neuen Antrieb gegeben.

Die Situation nach dem Erdbeben hat uns gezeigt, wie schnell die Unterstützer von Kinderhilfe Nepal per E-Mail erreicht werden können. Sollten Sie eine E-Mail Adresse besitzen, dann teilen Sie uns diese bitte mit. Selbstverständlich werden wir den Infobriefversand unverändert auch weiterhin fortsetzen.

Ganz herzliche Grüße

Elisabeth Montet