Erster internationaler Kongress über tibetische Medizin in Washington D.C.
Internationaler Kongress diskutiert Anwendbarkeit
des traditionellen tibetischen Heilwissens im Westen

Rezepte vom Dach der Welt
Washington

Die Förderung des Dialogs zwischen der Jahrtausende alten Medizintradition Tibets und der modernen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin im Westen stand im Mittelpunkt des ersten Internationalen Kongresses über Tibetische Medizin, der vom 7. bis 9. November 1998 in Washington, D.C., abgehalten wurde. Breiten Raum in den Vorträgen  und Diskussionen unter den mehr als 1.600 Teilnehmern aus aller Welt nahm die Frage ein, auf welche Weise die Einsichten und Erfahrungen der Tibetischen Medizin auch Patienten im Westen zugänglich gemacht werden können.

Einen wichtigen Ansatz für eine Integration traditioneller Methoden, waren sich viele tibetische Mediziner mit ihren westlichen Kollegen in Washington einig, biete die hoch differenzierte Kräuterheilkunde der Tibetischen Medizin. “Die Anwendung pflanzlicher Arzneien in der Tibetischen Medizin”, erklärte Prof. Sergei Nikolayev, Vorstand des Zentrums für Tibetische Medizin Ulan-Ude in der russischen Region Burjatien, “geht vom Prinzip aus, daß die einzelnen Organe in einem engen funktionellen Zusammenhang stehen. Die vielfältigen pflanzlichen Mischungen, die wir einsetzen, wirken auf verschiedenen Ebenen des Regulationssystems des Organismus.” Diese traditionellen Grundsätze der Pflanzenheilkunde könnten in der Behandlung aber auch in der Prävention moderner Zivilisationskrankheiten genutzt werden, so Nikolayev, “und kann zu einer Integration der Tibetischen Medizin in die modernen Gesundheitssysteme beitragen.”

Nicht nur die Pflanzenheilkunde, so der Tenor vieler Diskussionsbeiträge in Washington, auch eine ausgewogene  Ernährung spielt in der Tibetischen Medizin in Prävention und Therapie eine wichtige Rolle.

“Die Ernährungsgrundsätze der Tibetischen Medizin beruhen auf der Theorie der ‚Fünf Elemente‘ – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum”, erklärte in Washington der tibetische Arzt Dr. Namgyasl Qusar vom Institut für Tibetische Medizin Men-Tsee-Khang in Dharamsala (Indien). Die Qualität der fünf Elemente werde durch sechs Geschmacksrichtungen beschrieben. In einer ausgewogenen Ernährung müßten alle Elemente und Geschmacksrichtungen ausreichend enthalten sein - “eine solche Balance stärkt die Verdauungsfunktion und trägt so ganz generell zur Gesunderhaltung des Körpers bei.”

Immer mehr tibetische und westliche Ärzte und Wissenschaftler sind,  bemüht diese Erfahrungen der traditionellen Tibetischen Medizin auch gesundheitsbewußten Menschen im Westen auf einfache Weise zugänglich zu machen. So hat etwa der in der Schweiz lebende tibetische Experte Dr. Kalsang Shak nach traditionellen Rezepturen Teemischungen entwickelt, die zum Teil aus mehr als 30 verschiedenen Kräutern, Gewürzen und getrockneten Früchten bestehen. Sie sollen, basierend auf der Lehre der fünf Elemente, beispielsweise dazu beitragen, die Verdauung zu fördern, Streß und Belastung auszugleichen oder zyklusbedingte Beschwerden zu lindern.

Diese Teemischungen werden von der Padma AG, Zürich unter Berücksichtigung höchster Qualitätsstandards hergestellt und werden ab Jahresbeginn 1999 in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich sein.

Westliche Forscher bestätigen die Wirksamkeit
Tibetischer Kräutermischungen

Mehr als 110 Ärzte und Wissenschafter aus Europa, Asien und den USA trafen vom 7. bis 9. November in Washington zusammen, um einen Brückenschlag zwischen der naturwissenschaftlich orientierten Medizin des Westens und der Tibetischen Medizin zu diskutieren. Die Notwendigkeit eines Dialogs im Interesse der Patienten unterstrich auch der Dalai Lama am ersten Kongresstag vor 1.600 Kongressteilnehmern: “Unser Jahrtausende altes Medizinsystem kann heute einen wichtigen  Beitrag leisten. Es muß die Wirksamkeit unserer Heilpflanzen verstanden werden. Dazu brauchen wir rigorose Studienprogramme, denn unsere Kräutermischungen müssen einer kritischen Analyse standhalten,” rief das politische und geistige Oberhaupt der Tibeter zu einer Erforschung der traditionellen Heilmethoden vom Dach der Welt mit modernen naturwissenschaftlichen Instrumenten auf. – Auch Patienten aus dem Westen müßten, so der Dalai Lama, unabhängig von den spirituellen und religiösen Komponenten der tibetischen Medizin von deren Heilkräuterkunde gesundheitlich und therapeutisch profitieren können.

Auf dem “Ersten Internationalen Kongress über Tibetische Medizin” wurden dann auch eine Reihe von aktuellen Forschungsergebnissen präsentiert, die das Potential der traditionellen tibetischen Pharmakologie bestätigen. “Es gibt deutliche Hinweise”, so die Biochemikerin Marianne Suter von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, “die eine Wirksamkeit der tibetischen Kräutermischung Padma 28 gegen einen vorzeitigen Alterungsprozess, gegen Arteriosklerose, (Arthritis), die durch oxidativen Streß hervorgerufen werden, bestätigen. Padma 28 kann solchen Krankheiten vorbeugen.” Padma 28 ist ein bereits im Handel erhältliches Präparat mit 20 Heilkräutern, das nach einem traditionellen tibetischen Rezept zubereitet wird. 
Etwa ein bis zwei Prozent des eingeatmeten Sauerstoffs, so Sutter, werde nicht zu Wasser, sondern schrittweise abgebaut zu sogenannten Freien Radikalen. Suter: “ Freie Radikale können durch Oxidationsprozesse Protein, Lipoide und die Erbinformation DNA schädigen und Zellen zerstören. Dieser Oxidationsprozess wird für das Entstehen zahlreicher Krankheiten, aber auch für einen vorzeitigen Alterungsprozess verantwortlich gemacht.” Besonders schädigend, so Suter, sei Wasserstoffperoxid zum Beispiel in der Kombination mit Eisen oder Kupfer: Padma kann Eisen und Kupfer binden, wodurch der Oxidationsprozess gestoppt werden kann.” Zusätzlich sei die Fähigkeit von Padma 28 schon in kleinen Dosen, freie Radikale zu neutralisieren, der von Vitamin C zumindest ebenbürtig.

Wirksam sei Padma 28 auch bei der Neutralisierung eines Prozesses, der zur Entstehung von Peroxinitrit führt.  Dieses starke Oxidans  entsteht aus dem wichtigen Botenmolekül Stickstoffoxid und einem Superoxid, das zu verschiedenen zellschädigenden Komponenten zerfällt. Suter:” Padma 28 neutralisiert zu hundert Prozent eine Schädigung von Zellstrukturen, die durch Peroxinitrit ausgelöst wurde.” Mit diesem neuen Einsichten sei die wissenschaftliche Basis für die günstigen Effekte von Padma 28 auf die Entstehung von Krankheiten durch oxidativen Streß erbracht.

Heute seien, so der Mikrobiologe Prof. Isaac Ginsburg von der Hebrew Universität in Jerusalem, etwa 110 durch Oxidationsprozesse hervorgerufene Krankheiten bekannt. Tibetische Kräutermischungen, sagte Ginsburg in Washington, seien schon deshalb besonders zukunftsträchtig, “weil das Ende einer Ära der Antibiotika naht, weil es immer mehr resistente Keime gibt.” Weil Entzündungen und Oxidationsprozesse, wie sie zum Beispiel bei der Arteriosklerose eine wichtige Rolle spielen, stets durch eine Vielzahl von schädigenden Substanzen ausgelöst würden, müßten sie auch durch Vielstoffgemische wie Heilpflanzen  oder deren Kombinationen bekämpft werden. Ginsburg: “Die eine omnipotente Substanz gibt es nicht.”

Daß sich Padma 28 in der Therapie von arteriosklerotischen Verengungen der Beinarterien, der sogenannten peripheren Arteriellen Verschlußkrankheit (pAVK)  bewährt hat, wurde bereits durch klinische Studien belegt. Ein wichtiges Kriterium für den Krankheitsverlauf ist bei pAVK die Wegstrecke, die Patienten schmerzfrei zurücklegen können. Patienten, die Padma 28 genommen haben (zwei mal täglich 340 Milligramm), berichtete Kaj Winther von der Universität Kopenhagen in Washington, “konnten bei unseren Studien doppelt so weit schmerzfrei gehen, als Mitglieder der Kontrollgruppe, die ein Placebo bekamen.”

Winters Team hatte 36 Patienten über vier Monate beobachtet. Dabei war Winter auch aufgefallen, daß Padma 28 offenbar eine günstige Wirkung auf das Abheilen von bei pAVK-Patienten besonders häufig auftretenden Unterschenkelgeschwüren hatte. Winter: ”Dieses Phänomen werden wir jetzt in Doppelblindstudien genauer untersuchen.”

Auch ein Forscherteam aus Israel hat die Wirkung der traditionellen tibetischen Kräutermischung bei pAVK-Patienten überprüft. “Dabei hat sich gezeigt”, faßt Studienleiterin Sarah Sallon, Direktorin der naturmedizinischen Forschungseinheit am Hadassah-Universitäts-Spital in Jerusalem die Ergebnisse zusammen, “daß Patienten nach der Einnahme von Padma 28 nicht nur weiter gehen können, sondern auch eine bessere Durchblutung aufweisen.” Der Blutfluß in den durch Arteriosklerose verengten Blutgefäßen verbesserte sich um 12 Prozent, der der Placebogruppe bloß um 6 Prozent. 

Vielversprechende Zwischenergebnisse einer Studie zur Wirksamkeit der Kräuter- und Mineralienmischung Padma 179 beim Reizdarm-Syndrom referierte in Washington Moshe Ligumsky, Professor für Gastroenterologie an der Hebrew University in Jerusalem. Dieses Beschwerdenbündel, von dem in den Industrienationen zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, gilt als medizinisch schwer behandelbar. Prof. Ligumsky: ”Unsere Studien zeigen, daß Padma 179 eine sichere und wirkungsvolle Behandlung des Reizdarm-Syndroms bietet. Zu Behandlungsbeginn hatten 48 Prozent der Untersuchungsteilnahme täglich starke Bauchschmerzen, nach der Behandlung nur noch 28 Prozent.” 

Hinweise darauf, daß Padma auch die Häufigkeit von Atemwegsinfektionen bei Kindern günstig beeinflussen kann, liefert eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Posen (Polen). “Padma 28 zeigt sich als sehr wirksam bei wiederkehrenden Infektionen der Atemwege, weil es die Immunreaktion des Körpers stärkt und damit Rückfälle verhindern kann”, erklärte Prof. Lech Hryniewiecki in Washington. Bei rund der Hälfte der mehr als 250 untersuchten Kinder, die unter häufig wiederkehrenden Atemwegsinfektionen litten, reduzierte sich nach der Einnahme von Padma 28 die Häufigkeit der Infektionen signifikant, so Hryniewiecki. 

Trotz solcher Erfolge stehen jedoch der Akzeptanz tibetischer Vielstoffgemische durch die westliche Medizin mitunter Hindernisse im Weg. Während die naturwissenschaftlich orientierte Medizin in aller Regel auf standardisierte Einzelsubstanzen setzt, verwenden traditionelle tibetische Mediziner Kombinationen von Heilpflanzen mit einer Vielzahl von Wirkstoffen, deren Wirkungsweise im Detail noch nicht immer geklärt werden konnte. “Hier ist sicherlich ein Umdenken erforderlich”, sagt der Biophysiker Herbert Schwabl, Geschäftsführer der Padma AG, Zürich. “Aber schließlich setzt inzwischen auch die westliche Medizin bei der Behandlung von Helicobacter pylori oder Aids auch Kombinationstherapien von vielen unterschiedlichen Substanzen ein.” Die Antwort auch multifunktionelle Krankheiten seien nun einmal Therapien mit mehreren Komponenten. Schwabl: “Die Tibetische Medizin weiß das bereits seit Jahrtausenden. Von diesem Wissen können wir im Westen einiges profitieren.”

Hintergrund: Tibetische Medizin



Der Dalai Lama empfiehlt eine Untersuchung des traditionellen 
Heilwissens Tibets mit naturwissenschaftlichen Methoden.

“Ich glaube, daß die tibetische Medizin entscheidend dazu beitragen kann, einen gesunden Geist und einen gesunden Körper zu erhalten”, sagte der Dalai Lama anläßlich der Eröffnung des ersten internationalen Kongresses über Tibetische Medizin in Washington. Dazu bedürfte es eingehender und systematischer Forschungsarbeiten, damit Gesunde und Kranke sowohl von den Leistungen der westlichen als auch der östlichen medizinischen Systeme profitieren können. 

Die Tibetische Medizin geht auf das 7./8. Jahrhundert zurück, als Texte des indischen Ayuveda erstmals ins Tibetsche übersetzt wurde. Sie stand auch unter dem Einfluß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der auf die altgriechische Tradition zurückgreifende islamische Unani-Medizin. Jahrhunderte später, im 11. Jahrhundert, verfaßte Yuthog Yonten Gonpo der Jüngere seine “Vier Bücher der Heilkunde” (Gyüshi). Darin sind 1600 verschiedene Krankheiten klassifiziert und 2293 Heilmittelzutaten dargestellt. Die hochdifferenzierte Tibetische Medizin kennt 84.000 Störungen bei 404 Krankheitstypen, die in vier Untergruppen eingeteilt werden. Krankheiten werden nach tibetischen Verständnis durch falsches Denken und Handeln (Karma), eine falsche Diät, ungünstiges Klima und einige andere Faktoren verursacht.

Im 20. Jahrhundert wurden praktisch alle buddhistischen Klöster in der Mongolei und in Sibirien von der sowjetischen Roten Armee zerstört und die dort aufbewahrten medizinischen Schriften verbrannt. 1949 annektiert die neu ausgerufene Volksrepublik China Tibet, die traditionellen Medizinschulen werden zerstört und fast alle der rund tausend tibetischen Ärzte gefoltert und getötet – nur zwölf Heilkundige überleben. Die wenigen medizinischen Schriften, die diese Annexion unbeschadet überstanden haben, werden 1966 im Rahmen der chinesischen Kulturrevolution fast zur Gänze von den Roten Garden verbrannt. 

Daß diese Vorkommnisse nicht das Ende der Traditionellen Tibetischen Medizin bedeuteten, ist auf die Flucht des XIV. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, nach Indien (1959) zurückzuführen. Tenzin Gyatso gründete 1961 im indischen Dharamsala ein Lehrseminar für tibetische Medizin, aus dem später das Tibetan Medical & Astro Institut, heute MenTsee-Khan, wurde. Dort wird die Tibetische Medizin, die inzwischen Anhänger in fast allen Ländern findet, noch heute gelehrt und weiter entwickelt.

Die Begriffe und Prinzipien, auf denen diese ganzheitliche medizinische Tradition beruht, sind tief im fernöstlichen Denken verwurzelt und der westlichen Sichtweise nicht immer leicht zugänglich. Die Tibetische Medizin fußt unter anderem auf den “drei Seinsprinzipien”: rlung” mit dem Symbol Luft, “mkhris-pa” mit dem Symbol Galle, und “bad-kann” mit dem Symbol Schleim. Dem Prinzip Luft werden der Geist, das Denken und sämtliche geistigen und körperlichen Bewegungen zugeordnet. Dem Prinzip Schleim entsprechen das Fühlen und die Materie. Nach der Auffassung der Tibetischen Medizin sind diese drei Seinsprinzipien eng miteinander verknüpft. Erst ihr Gleichgewicht sichert die Funktion der sieben Grundgewebe des menschlichen Organismus – Lymphe, Blut, Zeugungsflüssigkeit, Muskeln, Fettgewebe, Knochen und Knochenmark – deren geordnetes Zusammenwirken eine Voraussetzung von Leben und Gesundheit sind.

Zum Feststellen von Krankheiten, aber auch des Konstitutionstypus von Gesunden, setzt die Traditionelle Tibetische Medizin unter anderem eine spezielle Pulsdiagnostik ein, bei der mit drei Fingern insgesamt zwölf verschiedene Pulse am Handgelenk ertastet werden. In der Therapie wird zunächst eine Veränderung der Lebensweise und Ernährung des Patienten angestrebt – was auch dem Zugang der modernen westlichen Lebensstil-Medizin entspricht. Verbessert sich dadurch der Zustand des Patienten nicht, werden spezielle Medikamente verordnet und notfalls auch chirurgische Eingriffe durchgeführt

Rückfragen:
B&K Kommunikation Dr. Birgit Kofler
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