11.9 Padmasambhava as Guru Nyima Oeser


24 x 18 inches / 60 x 45 cm
This manifestation of Padmasambhava is of him as a siddha, or yogi, named Guru Nyima Oeser. the "Sun-Ray-Guru." The "Padma bka´ yi thang yig"  his biography compiled by Yeshe Tsogyal, describes the yogic arts mastered by the Precious Guru. He had mastered the arts of "essence-sucking" (bcudlen) of elements for producing health and longevity, of inner heat, of fleetness of foot, of clearness od mind, of lightness of body, of prolonging life, and of acquiring limitless learning.

He has also mastered the yogic art of extracting elixirs from pebbles and sand, and of transmuting filth and the flesh of human corpses into pure food.

Another accomplishment of his mastery of acrobatics. e had acquired the proficiency for prolonging life by taking the essence of gold, preventing disease by taking the essence of silver, walking on water by taking the essence of pearls, neutralizing poison by taking the essence of iron, and acquiring clear vision by taking the esence of lapis-lazuli.

All together he had mastered the practice of one-thousand such essences and promulgated them for the benefit of mankind. 

Once the Buddha of Medicine appeared before him and gave him the nectar of eternal life. The Lotus-born drank half of it for immortality and hid the other half in a stupa. Frorn then on he was called "Padma, the Siddha."

He got the name "Sun-Ray Guru" when in the form of a wine-drinking yogi, or Heruka, he prevented the sun from setting. The legend says that in his siddha manifestation, Padmasambhava went to a tavern kept by a woman and ordered wine with the promise to pay at sunset. He not only drank all the wine that the woman had, but also kept her busy fetching him wine from the neighbourhood. When the sun was about to set he placed his magical phurbu half in sunshine, half in shadow, thus preventing the sun from setting.

After seven days the country became parched, and the grass dried up. The people complained bitterly to their king, saying that a mendicant drunkard might be the source of this misfortune. The king went to the yogi and asked him why he drank in that fashion. He replied that he had no money to pay for the wine. And when the king promised to settle the account, the Heruka picked up the phurbu and the sun set again.

Usually the Sun-Ray Guru is represented in the form of a siddha who holds sunrays playfully in his left hand. This Thangka does not have that feature. Yet due to other iconographic details, such as the magic dagger on the table, it can be assumed that the person represented here is not an unknown siddha but indeed Guru Nyima Öser. This is also indicated by the appearance of the "All-Good" Adibuddha Samantabhadra embracing the "Great Mother" Samantabhadri who appear to emerge as rainbow light out of the crown of the Siddha Guru.

Naked except for the tiger skin barely covering his hips, the Yogi Master sits on a lotus throne. In front of him, several liturgical instruments, such as a skull, a bell, a damaru, and a phurbu, rest on a table. His long hair is partly knotted on top of his head.

He wears the five-fold set of bone ornaments: a skull crown, rings on arms, hands and feet, as well as earrings, a necklace, and belt. The crown serves for venerating the guru; the earrings cause deafness against calumny; the necklace is for intoning the mantra; the rings protect him from harming other beings and the belt supports his wisdom consort. According to another explanation, the bone ornaments symbolize the five Tathagatas or, together with ash of the cremation ground, the six perfections.

The right hand menacingly holds a vajra aloft. In his left arm the Sun-Ray Guru holds a magical Khatvanga staff with trident, rattle rings, and three human heads in different stages of decay - fresh, humid and dry - symbolizing the three bodies of enlightenment.

In his left hand he holds a skull cup filled with elixir, a symbol for wisdom, great bliss, and self-sacrifice, Its symbolism embraces the Absolute beyond all dualistic concepts: on the level of relative reality it is a symbol of impermanence.

A skillful yogi will use it with transcendental awareness "out of which he drinks with self abandoning relish the one- taste of samsara and nirvana,": to speak in the Doha language of the siddhas.

Eine der acht Erscheinungsformen Padmasambhavas, die sich auf die Stationen seines Lebens und auf seine verschiedenen Initiations-Namen beziehen, ist die als Siddha und Yogi, genannt Guru Nyima Öser der "Sonnenstrahl-Guru".

Im Padma Ka hi thang yig, seiner Biographie, die von Yeshe Tsogyal zusammengefasst wurde, werden die yogischen Kräfte beschrieben, die der kostbare Guru gemeistert haben soll. So beherrschte er die Kunst des ,,Essenz Saugens" (bcud len) aus den Elementen für Gesundheit und langes Leben; sowie die Kraft der übernatürlichen Sinneswahrnehmungen die innere Hitze, Schnell-Läufigkeit, Klarsicht, Leichtigkeit des Körpers. die Fähigkeit, Leben zu verlängern und endloses Wissen zu erfassen. Außerdem konnte er aus Sand und Steinchen ein Elixier herstellen, sowie Abfall und Leichenfleisch in reine Nahrung verwandeln. Eine andere Errungenschaft war sein akrobatisches Können. Mit der Essenz voll Gold konnte er Leben verlängern, mit der Essenz von Silber Krankheiten vermeiden. Mit der Essenz von Perlen konnte er auf Wasser gehen; mit der Essenz voll Eisen neutralisierte er Gift; und durch da Einnehmen der Essenz von Lapislazuli erhielt er die Kraft der klaren Vision. Insgesamt konnte er tausend verschiedene Essenzen zum Wohl der Menschheit umwandeln. Einst erschien vor ihm der Medizinbuddha, der ihm den Nektar des ewigen Lebens zu trinken gab. Der Lotos-Geborene trank die Hälfte für seine Unsterblichkeit, die andere Hälfte verwahrte er in einem Stupa. Von nun an wurde er Padma, der „Siddha" genannt.

Der Name "Sonnenstrahl-Guru'' bezieht sich auf eine Episode seines Lebens, als er in der Form des "eintrinkenden Yogi oder Heruka die Sonne davon abhielt unterzugehen. Der Legende nach soll Padmasambhava in seiner Siddha-Gestalt eine Schenke aufgesucht haben, wo er nicht nur den gesamten vorrätigen Wein, sondern auch noch den aus der ganzen Nachbarschaft geleert haben soll. Nachdem er aber der Wirtin versprochen hatte, erst bei Sonnenuntergang die Zeche zu bezahlen, nagelte er mit Seinem Zauberdolch-Phurbu die Sonne zwischen Schatten und Licht fest. Nach sieben Tagen ohne Sonnenuntergang war das Land ausgedörrt und die Pflanzen vertrocknet. Die Leute beschwerten sich bitter beim König dass ein saufender Bettler Schuld diesem Unglück sei. Dieser sucht den Yogi auf und fragte nach seinen Gründen, in dieser Weise zu trinken. Er erwiderte, dass er kein Geld habe Um die Zeche zu bezahlen. Als der König ihm versprach für ihn die Rechnung zu begleichen, zog der Heruka seinen Phurbu aus der Erde und die Sonne konnte wieder untergehen.

Gewöhnlich wird Padmasambhava als Sonnenstrahl Guru in der Form eines Siddha dargestellt, der mit der linken Hand spielerisch die Sonnstrahlen festhält. Das vorliegende Bild weist dieses Merkmal nicht auf Dennoch lassen die übrigen ikonographischen Details, wie der Zauberdolch auf dem Tisch, darauf schließen, dass hier nicht irgendeine unbekannte Siddha-Figur vorliegt, sondern sehr wohl Guru Nyima Öser dargestellt wird. Ein Hinweis dafür ist die Erscheinung des "All-Guten" Adibuddha Samantabhadra in Umarmung mit der Großen Mutter'' Samantabhadri, die als Regenbogenlicht aus dem Scheitel des Siddha - Guru in den Himmel zu fließen scheint.

Nackt bis auf ein Tigerfell um die Hüfte, sitzt der Yogi-Meister auf einem Lotosthron. Vor ihm sind auf einem Tischchen Ritualgegenstände platziert, ein Schädel, eine Glocke, ein Damaru, sowie auch ein Phurbu. Sein langes Haar ist zum Teil zu einem Knoten aufgebunden. Er trägt den fünfteiligem Knochenschmuck, bestehend aus Schädelkrone, Ringen an. Armen, Händen und Füßen: Ohrschmuck, Brustschmuck und Gürtel. Die Krone dient ihm zur Verehrungsanweisung gegenüber dem Guru; der Ohrschmuck bewirkt Taubheit gegenüber Verleumdung, der Halsschmuck dient der Intonation des Mantra; die Ringe bewahren ihn davor, anderen Lebewesen Leid zuzufügen und der Gürtel bezweckt die Unterstützung der Weisheitsgefährtin.

Einer anderen Erklärung nach ist der Knochenschmuck Symbol der fünf Tathagatas und - in Verbindung mit Asche der Leichenstätte als sechsten Schmuck - Symbol für die sechs Vollkommenheiten. Die rechte Hand hält in der Drohgeste den Vajra zum Himmel.

Im linken Arm trägt der Sonnenstrahl Guru den magischen Kathvanga Stab mit Dreizack, Rasselringen und drei menschlichen Köpfen in verschiedenen Zuständen der Verwesung, trocken, feucht und frisch, als Symbol für die drei Erleuchtungskörper. Die linke Hand hält eine mit Elixir gefüllte Schädelschale, ein Symbol für Weisheit, große Wonne und Selbstopfer. Die Schädelschale umfasst in ihrer Symbolik das Absolute jenseits aller dualistischen Konzepte, auf relativer Ebene ist sie Symbol für die Vergänglichkeit.

Ein geschickter Yogi benutzt die Schädelschale mit transzendenter Bewegtheit "aus der er mit selbstlosem Vergnügen den einen Geschmack von Samsara und Nirvana trinkt", um in der Doha-Sprache der Siddhas zu sprechen.


Source: 
Dr. Andrea Loserie-Leick, Tibetan Art Calender 1998, November, Wisdom Publication, London

Quelle:
Dr. Andrea Loserie-Leick, Thangka Kalender 1998, Blatt November, Windpferd Verlag, Aitrang
|
|